Paris 11/13

Definition von Terror
Eine Bestandsaufnahme
Geschichte des Terrors
Rechtsextremer Terror
Deutschland
Italien
Österreich
Spanien
Ungarn
Kroatien
Rechter Terror bis zur Gegenwart
Linksextremer Terror
Stalinismus – Großer Terror
Maoismus
ELN Nationale Befreiungsfront
Volksmodschahedin
FARC
Leuchtender Pfad
Tupamaros
Deutschland RAF
Italien Rote Brigaden
Spanien ETA
Kambodscha Rote Khmer
Islamistischer Terror
Muslimbruderschaft
Hisbollah
Hamas
Taliban
al-Kaida
Boko Haram
Al-Shabaab
Islamischer Staat
Al-Nusra-Front
Fazit

Die Anschläge in Paris vom 13. November 2015 haben Frankreich, aber auch ganz Europa tief getroffen, noch mehr als nach dem Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo. Nach dem Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt wollten die Regierungen der Mitgliedsstaaten der EU alles Erdenkliche tun, um solche Attentate in Zukunft zu verhindern, die Sicherheitsmaßnahmen sollten maximiert werden. Nun, seit Paris 11/13 sollen sie noch maximaler werden, also maximaler als maximal. Bislang wähnten sich Europas Bürger in Sicherheit, für sie schien Terror ein Phänomen zu sein, das es nur in fernen Ländern gibt, das sie nicht direkt betrifft, das sie nur aus den Berichterstattungen der Medien kennen. Seit Paris 11/13 wissen wir, dass der Terror jeden und somit auch uns treffen kann.

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Was aber ist Terror?

Laut der heute gängigen Definition ist Terror (lat. terror „Schrecken“) die systematische und oftmals willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder angedrohte Gewalt, um Menschen gefügig zu machen. – Laut Resolution 1566 des UN-Sicherheitsrates sind „terroristische Handlungen solche, die mit Tötungs- oder schwerer Körperverletzungsabsicht oder zur Geiselnahme und mit dem Zweck begangen werden, einen Zustand des Schreckens hervorzurufen, eine Bevölkerung einzuschüchtern oder etwa eine Regierung zu nötigen und dabei von den relevanten Terrorismusabkommen erfasst werden“.

Terror kann von unterschiedlichen Gruppierungen ausgehen, wie z.B.

  • von politischen Gruppierungen
  • von ethnischen Minderheiten
  • von religiösen Minderheiten
  • vom Staat selbst

Terror dient dabei als Werkzeug um politische, nationalistische, religiöse und/oder staatliche Interessen durchzusetzen. Unabhängig von ihren Zielen bedienen sich Terroristen weitgehend der selben Methoden.

Eine Bestandsaufnahme

Das Institute for Economics and Peace (IEP) erstellt alljährlich ein Ranking (Terrorismus Index) in dem Staaten entsprechend der für sie geltenden Bedrohung durch Terroristen eingestuft werden. Jedem Staat wird ein Wert zwischen 0 und 10 zugeordnet. Je höher dieser Wert ist, desto größer ist die Bedrohung für den betreffenden Staat. Die folgende Tabelle zeigt für das Kalenderjahr 2014 jene 16 Staaten, die am stärksten von Terror betroffen waren:

Rang

Land

Index

1

Irak

10,00

2

Afghanistan

9,23

3

Nigeria

9,21

4

Pakistan

9,07

5

Syrien

8,11

6

Indien

7,75

7

Jemen

7,64

8

Somalia

7,60

9

Libyen

7,29

10

Thailand

7,28

11

Philippinen

7,27

12

Ukraine

7,20

13

Ägypten

6,81

14

Zentral Afrikanische Republik Kongo

6,72

15

Südsudan

6,71

16

Sudan

6,69

Unter den ersten 16 Staaten in dieser Liste gibt es mit der Ukraine ein einziges Land, in dem nicht islamistischer Terror eine Rolle spielt. Außerdem ist die Ukraine das einzige europäische Land in dieser Liste. Die ersten 5 in dieser Liste angeführten Länder stellen, wenig überraschend, den Hauptanteil der in Europa um Asyl ansuchenden Flüchtlinge.

Terror scheint also ein islamistisches und außer-europäisches Problem zu sein. Die Frage, ob dem wirklich so ist, soll auf dieser Seite hinterfragt und untersucht werden.

Geschichte des Terrors

Im Vorfeld der französischen Revolution empörten sich die Vertreter der Aufklärung über das terroristische Schreckensregiment der Monarchie. Im Zentrum der Kritik standen die am Vorabend einer Hinrichtung vom Staat inszenierten öffentlichen Folterungen mit Rädern und Zerreißen bei lebendigem Leib. Allerdings errichteten die französischen Revolutionäre ab 1793 dann selbst eine Terrorherrschaft unter der Terror als staatliches Machtmittel eingesetzt wurde.

In der folgenden Tabelle sind die wichtigsten Organisationen und Gruppierungen (inklusive politischer Parteien), von denen terroristische Aktivitäten ausgingen bzw. zur Zeit noch ausgehen, nach ihrem Gründungsdatum geordnet, angeführt.

VereinigungLandGründungsjahr
Ku-Klux-KlanUSA

1865

IRA – Irisch Republikanische ArmeeIrland

1919

FaschismusItalien

1919

NationalsozialismusDeutschland

1919

MuslimbruderschaftÄgypten

1928

UstaschaKroatien

1928

Eiserne GardeRumänien

1931

Irgun Tzwai Le’umiIsrael

1931

FalangeSpanien

1931

PfeilkreuzlerUngarn

1935

Stalinismus - Großer TerrorUdSSR

1936

MaoismusChina

1958

ETA – baskische BefreiungsfrontSpanien

1959

FatahPalästina

1959

PLF-Palästinensische BefreiungsfrontPalästina

1959

Graue WölfeTürkei

1961

PLO-Palästinensische BefreiungsorganisationPalästina

1964

ELN-Nationale BefreiungsarmeeKolumbien

1964

VolksmodschahedinIran

1965

FARC - Revolutionäre Streitkräfte KolumbiensKolumbien

1966

Volksfront zur Befreiung PalästinasPalästina

1968

Kommunistische Partei der PhilippinenPhilippinen

1968

Demokratische Front zur Befreiung PalästinasPalästina

1969

Leuchtender PfadPeru

1969

RAF - Rote Armee FraktionBRD

1970

Rote BrigadenItalien

1970

Revolutionäre Bewegung Túpac AmarPeru

1970

TupamarosUruguay

1970

Gamaa IslamijaÄgypten

1970

PKKTürkei

1970

Harkat-ul-MujahideenSaudi-Arabien

1970

Japanische Rote ArmeeJapan

1971

Kach und Kahane ChaiIsrael

1971

Revolutionäre Volksbefreiungspartei-FrontTürkei

1971

Frente Sandinista de Liberación NacionalNicaragua

1974

Abu NidalPalästina

1974

HisbollahLibanon

1974

Rote KhmerKambodscha

1975

Revolutionäre Organisation 17. NovemberGriechenland

1975

Revolutionäre ZellenBRD

1976

Arbeiterpartei KurdistansTürkei

1978

Der Islamische Dschihad in PalästinaPalästina

1979

Frente PatrióticoChile

1980

Befreiungstiger von Tamil EelamSri Lanka

1983

Aum-SekteJapan

1984

Continuity Irish Republican ArmyIrland

1986

HAMASPalästina

1987

Jaish-e MohammedPakistan

1990

Laschkar-e TaibaKaschmir

1990

Asbat al-AnsarLibanon

1990

Ansar DineMali

1990

Abu SayyafPhilippinen

1991

TalibanAfghanistan

1992

Groupe Islamique ArméAlgerien

1993

al-KaidaIrak, Jemen, Maghreb

1993

Jemaah IslamiyahIndonesien

1993

Revolutionäre ZellenGriechenland

1995

Libysche Islamische KampfgruppeLibyen

1995

AUC, Vereinigte Bürgerwehren KolumbiensKolumbien

1997

Real Irish Republican ArmyIrland

1997

Islamische Bewegung UsbekistanUsbekistan

1998

Boko HaramNigeria

1999

NSU-Nationalsozialistischer UntergrundBRD

1999

Ansar al-IslamIrak

2001

DschundollahIran

2002

Epanastatikos AgonasGriechenland

2003

al-Aqsa-Märtyrer-BrigadenPalästina

2004

Islamische Dschihad-UnionUsbekistan

2006

Dschaisch al-IslamPalästina

2006

Al-ShabaabSomalia

2006

Tehrik-i-Taliban PakistanPakistan

2007

Islamischer StaatIrak, Syrien, Lybien

2007

Haqqani-NetzwerkAfhanistan, Pakistan

2010

Ansar al-SchariaLibyien, Tunesien

2011

Al-Nusra-FrontSyrien

2011

Wilayat SinaiGazastreifen

2011

AnsaruNigeria

2012

Legende: die politische Ausrichtung der angeführten Gruppierungen wird mittels eines Farbcodes einer der folgenden Richtungen zugeordnet:

politische Ausrichtung

Farbcode

rechtsextremer Terror
linksextremer Terror
nationalistischer Terror
islamistischer Terror

Betrachtet man diese Tabelle, wird erkennbar, dass es seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts bis herauf in die Gegenwart im wesentlichen drei Perioden terroristischer Aktivitäten mit unterschiedlicher Ausrichtung gab.

  • rechtsextremer Terror: in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
  • linksextremer Terror: in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
  • islamistischer Terror: ausgehendes 20. Jahrhundert bis herauf zur Gegenwart

Rechtsextremer Terror

Deutschland

Die politischen Wirren nach dem Ende des ersten Weltkrieges führten zu einer Zersplitterung des Spektrums der politischen Parteien mit einer gelichzeitigen Radikalisierung an beiden Enden des Spektrums. Gruppierungen vom linken Ende des Spektrums gründeten, nach dem Vorbild der Russischen Sowjetrepublik Arbeiter- und Soldatenräte. Nach dem Spartakusaufstand 1919 gab es Arbeiter- und Soldatenräte in Berlin, München, Kiel, Hamburg, Bremen und dem Ruhrgebiet.

Am anderen Ende des politischen Spektrums war die Deutsche Arbeiterpartei angesiedelt, die 1919 gegründet wurde und die 1920 in NSDAP umbenannt wurde. Am 5. März 1933 wurde die NSDAP bei den Reichstagswahlen mit 44% der Stimmen zur stimmenstärksten Partei. Mit der Unterstützung anderer Parteien kommt es bereits am 24. März des selben Jahres zur Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes und damit zur Ausschaltung des Parlaments und dem Verbot sämtlicher Parteien außer der NSDAP.

Die juristischen Grundlagen für die Verfolgung und Ermordung von Juden und Roma wurde am 15. September 1935 mit der Verabschiedung der Nürnberger Gesetze auf dem 7. Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg gelegt.

Die entscheidende Rolle im System des NS-Terrors kam der als Leibwache Hitlers geschaffenen SS (Schutzstaffel) zu, die unter Heinrich Himmler mit dem Polizeiapparat verschmolzen wurde. Die SS wurde zum wichtigsten Terror- und Unterdrückungsorgan im Deutschen Reich. Sie war maßgeblich an der Planung und Durchführung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und von Kriegsverbrechen beteiligt.

Von 1933 – 1945 fielen diesem Terror ca. 13 Millionen Menschen zum Opfer. Neben den ca. 6 Millionen ermordeten Juden waren Polen, sowjetische Zwangsarbeiter, Roma, Sinti und politisch anders gesinnte unter den Opfern.

Insgesamt forderten die Aktivitäten der Nationalsozialisten ca. 50 Millionen Todesopfer.

Italien

Nachdem in den Nachkriegsjahren 1919 und 1920 Demonstrationen und Streiks, die vielfach mit gewaltsamen Fabrik- und Landbesetzungen endeten, die Wirtschaft Italiens lahmgelegt hatten, nutzte Mussolini die Angst vor einer bolschewistischen Revolution aus, um sich als Garant von Recht und Ordnung zu etablieren.

1919 kommt es zur Gründung der Bewegung der Fasci italiani di combattimento. Dieser „italienische Kampfverband“ war ursprünglich sozialistisch ausgerichtet. 1921 wurde er von Mussolini in Partito Nazionale Fascista umbenannt. Mit der Umbenennung erfolgte auch eine scharfe Abgrenzung gegen Sozialismus und Kommunismus. Der Faschismus entwickelt sich zu einer offen terroristischen und diktatorischen Herrschaftsform.

Die Squadristi, die paramilitärischen Verbände der Fasci, übten unter seinem Oberbefehl Terror gegen Gewerkschafter, linke Parteien und unliebsame Politiker vor allem in Nord- und Mittelitalien aus.

Österreich

In Österreich kommt es, getragen von der Vaterländischen Front unter der Führung von Engelbert Dollfuß zur Etablierung einer autoritären, ständestaatlichen am italienischen Faschismus orientierten Herrschaftsform (Austrofaschismus).

Spanien

Im Juli 1936 kommt es in Spanien unter der Führung von Francisco Franco zu einem vom faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschen Reich unterstützten Staatsstreich. Franco ließ ab 1939 nach dem Sieg der Aufständischen im Spanischen Bürgerkrieg hunderttausende politische Gegner exekutieren und ca. 1,5 Millionen politische Häftlinge in Konzentrationslagern internieren.

Ungarn

Laut Stanley Payne stand Ungarn von allen europäischen Staaten der Zwischenkriegszeit, was die Zahl faschistischer, halbfaschistischer oder rechtsradikaler Bewegungen anging, gemessen an seiner Bevölkerung an der Spitze. Aus all diesen rechtsextremen Bewegungen waren die Pfeilkreuzler die einzig nennenswerte Bewegung. Die Pfeikreuzler orientierten sich zum deutschen Nationalsozialismus.

Kroatien

1929 gründet Ante Pavelić in Kroatien den rechtsextrem-terroristischen Geheimbund Ustascha. Das Ustascha-Regime erließ Rassengesetze nach dem Vorbild des dritten Reichs. Diese Gesetze richteten sich gegen Juden, Roma und Serben. Dem Terror des Ustascha-Regimes fielen 300.000 bis 750.000 Menschen zum Opfer.

Rechtsextremer Terror bis zur Gegenwart

Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges wird rechtsextremer Terror, zumindest in Europa, weitgehend in den Hintergrund gedrängt.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Opfer rechtsextremer Gewalt in der BRD seit dem Ende des zweiten Weltkriegs bis zur Wiedervereinigung.

TodesopferRechterTerror1

Wie die folgende Tabelle zeigt, nimmt die Zahl der Todesfälle unmittelbar nach der Wiedervereinigung deutlich zu um dann bis zum Jahr 2014 kontinuierlich zu sinken. Seit dem Sommer 2015 nimmt, in Folge der deutlich angestiegenen Zahl an Asylwerbern, die Zahl der rechtsextrem Übergriffe wieder deutlich zu, bislang sind aber noch keine verlässlichen Statistiken verfügbar.

TodesopferRechterTerror

 Linksextremer Terror

Stalinismus: Großer Terror

Der große Terror, auch als große Säuberung bezeichnet, war eine von Herbst 1936 bis Ende 1938 dauernde umfangreiche Verfolgungskampagne in der Sowjetunion. In dieser von Josef Stalin veranlassten Kampange kam es zur Verhaftung con ca. 1,5 Millionen Menschen. Etwa die Hälfte wurde erschossen, die andere Hälfte in die Lager des Gulag oder in Gefängnisse verbracht.

Eine zweite Säuberungswelle setzte zu Beginn des Jahres 1948 ein. Sie richtete sich hauptsächlich gegen Juden und endete abrupt mit Stalins Tod im Jahr 1953.

Die Zahl der Opfer des stalinistischen Terrors kann nur schwer abgeschätzt werden. Der russische Schriftsteller Wadim Erlikman stellte folgende Schätzung an:

– 1,5 Millionen exekutiert,

– 5 Millionen starben im Gulag

– 1,7 Millionen verloren bei der Deportation ihr Leben (von den 7,5 Millionen Deportierten)

– 1 Million umgekommene Kriegsgefangene und deutsche Zivilisten.

Maoismus

Der Maoismus ist nach Mao Zedong, dem führenden Politiker Chinas im 20. Jahrhundert benannt. Die von Mao vorangetriebenen Kampagnen und Programme, insbesondere der Große Sprung nach vorn sowie die Kulturrevolution, hatten den Tod von Millionen Menschen und wesentliche wirtschaftliche Schäden, Verluste an kulturellem Erbe und verfehlte gesellschaftliche Strukturen zur Folge. Laut westlicher Literatur starben während seiner Herrschaft ungefähr 44 bis 72 Millionen Menschen an den Auswirkungen politischer Kampagnen, diktatorischer Machtausübung und verfehlter Wirtschaftspolitik.

Nach Rummel und Heinsohns Opferzahlen-Angaben entfallen auf:

– Machtfestigung und Enteignungen 1949–1953: 8.427.000 Todesopfer

– „Großer Sprung nach vorn“ und Enteignungen 1954–1958: 20 bis 40 Mio. Opfer

– Vernichtung durch Arbeit (Arbeitslager) sowie Hunger als Folge der Enteignungen 1959–1963: 10.729.000

– Kulturrevolution 1964–1975: 7.731.000 Tote (nach Rummel), 400.000 bis 1 Million

ELN Nationale Befreiungsfront

Die Ejército de Liberación Nacional (ELN, deutsch Nationale Befreiungsarmee) ist eine kolumbianische, marxistisch orientierte Guerillabewegung. Die 1964 gegründete ELN ist die älteste noch aktive Terrororganisation. Ende 2013 begannen in Ecuador und Brasilien geheime Verhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der ELN, in denen die Grundlage für offizielle Friedensverhandlungen nach dem Vorbild der Verhandlungen zwischen der Regierung und den FARC gelegt werden sollte. Am 10. Juni 2014 verkündete Präsident Juan Manuel Santos das Übereinkommen zwischen der Regierung und der ELN über die baldige Aufnahme von Friedensverhandlungen.

In Kolumbien sind seit 1964 etwa 200.000 Menschen umgekommen. Es lässt sich schwer feststellen, in welchem Ausmaß FARC, ELN oder die mit dem Kolumbianischen Staat kooperierenden Paramilitärs für diese Opferzahlen verantwortlich zu machen sind.

Volksmodschahedin

Die Volksmodschahedin sind eine militante iranische Oppositionsbewegung.

Die ideologische Ausrichtung der Volksmodschahedin war von deren Gründung  1965 an umstritten. Während das Gründungsmitglied Ahmad Rezai eine Kombination aus Marxismus und Islam vertrat, verfolgten andere Gründungsmitglieder eine streng marxistische Ausrichtung, die sich nach 1975 durchsetzte. Heute gelten die Volksmodschahedin als stalinistisch geführte Organisation.

FARC

Die Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo (FARC) sind eine linksgerichtete, sich selbst als marxistisch bezeichnende kolumbianische Guerillabewegung. Sie wurde im Jahr 1964 gegründet und führt einen bewaffneten Kampf gegen den kolumbianischen Staat, seine Repräsentanten, die kolumbianische Armee sowie gegen rechtsgerichtete paramilitärische Gruppen.

In Kolumbien sind seit 1964 etwa 200.000 Menschen umgekommen. Es lässt sich schwer feststellen, in welchem Ausmaß FARC, ELN oder die mit dem Kolumbianischen Staat kooperierenden Paramilitärs für diese Opferzahlen verantwortlich zu machen sind.

Leuchtender Pfad

Die Partido Comunista del Perú – por el Sendero Luminoso de José Carlos Mariátegui (Kommunistische Partei Perus – auf dem Leuchtenden Pfad José Carlos Mariáteguis), bekannter unter dem Namen Leuchtender Pfad (Sendero Luminoso) ist eine maoistische Partei und Guerillaorganisation in Peru. Sie wurde Ende der 1960er gegründet und löste in Peru bürgerkriegsähnliche Zustände aus, die ca. 70.000 Menschen das Leben kostete.

Tupamaros

Die Movimiento de Liberación Nacional – Tupamaros waren eine kommunistische Guerillabewegung Uruguays, die sich aus gewerkschaftlichen Elementen formte und von 1963 bis in die 1970er Jahre als Untergrundbewegung tätig war. Seit 1970 radikalisierten sich die Tupamaros mit der Entführung und Ermordung hochgestellter Persönlichkeiten sowie Anschlägen in mehreren Großstädten. Die Tätigkeiten der Bewegung erreichten ihren Höhepunkt in den Jahren 1970 und 1971. Seit 1985 agiert sie als politische Partei.

Deutschland

Die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts waren in der BRD geprägt vom Terror der RAF. Die folgende Tabelle zeigt die Opfer linken Terrors in der BRD von 1970 bis 2014.

Die RAF versteht sich als eine kommunistische, antiimperialistische Stadtguerilla nach südamerikanischem Vorbild ähnlich den Tupamaros in Uruguay.

Die RAF wurde 1970 von Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler, Ulrike Meinhof und weiteren Personen gegründet. Die Anzahl der Mitglieder aller drei Generationen der RAF betrug zwischen den 1970er und 1990er Jahren zwischen 60 und 80 Personen. Ab 1970 kooperierte die RAF mit palästinensischen, später mit französischen, italienischen und belgischen Terrorgruppen.

TodesopferLinkerTerror1

Italien

Beinahe zeitgleich fordert in Italien der Terror der roten Brigaden 97 Todesopfer. Auch die roten Brigaden verstehen sich als kommunistische Stadtguerilla nach südamerikanischem Vorbild ähnlich den Tupamaros in Uruguay.

Spanien

In Spanien gab es seit 1959 den Terror der als Widerstandsbewegung gegen die Franco-Diktatur gegründeten marxistisch-leninistischen baskisch-nationalistischen ETA. Ihr fielen mehr als 800 Menschen zum Opfer. Der Terror der ETA ist nicht rein ideologisch motiviert, ihm liegen auch nationalistische Motive zu Grunde.

Kambodscha – Rote Khmer

Die Roten Khmer waren eine maoistisch-nationalistische Guerillabewegung, die 1975 in Kambodscha an die Macht kam. Das Ziel der Roten Khmer war es, die Gesellschaft mit Gewalt in einen Agrarkommunismus überführen zu führen. Dieser Prozess mündete in einem Massenmord an der kambodschanischen Bevölkerung, der weltweite Bekanntheit erlangte.

Bis zum Ende ihrer Herrschaft 1978 fielen den Roten Khmer nach den verbreitetsten Schätzungen etwa 1,7 bis 2,2 Millionen Kambodschaner zum Opfer. Nach dem Einmarsch vietnamesischer Truppen wurden die Roten Khmer in den Untergrund gedrängt. 1998 lösten sie sich endgültig auf.

 Islamistischer Terror

Ab den 1970er Jahren entstehen eine große Zahl islamistischer Terrororganisationen. Im folgenden Abschnitt werden die bedeutendsten dieser Organisationen betrachtet.

Muslimbruderschaft

Die Muslimbrüder oder Muslimbruderschaft ist eine der einflussreichsten sunnitisch-islamistischen Bewegungen im Nahen Osten. Sie wurde 1928 von Hasan al-Banna in Ägypten gegründet. Heute gibt es Ableger in Jordanien, Syrien, Tunesien, Algerien, Lybien, Gaza.

Anfang der 1950er Jahre führte der Widerstand der Bruderschaft gegen die Briten zu einem regelrechten Kleinkrieg. Am 26. Oktober 1954 verübte die Bruderschaft ein Attentat auf Staatspräsident Nasser, das jedoch erfolglos blieb. Nachdem sich Ende der 1970er Jahre die radikalen Gruppen Takfīr wa-l-Higra (Erklärung zu Ungläubigen und Auswanderung) und Islamischer Dschihad (al-Dschihad al-Islāmī) abspalteten, zählt die ägyptische Bruderschaft eher zu den gemäßigten islamistischen Organisationen, die Gewalt als Mittel der Politik grundsätzlich ablehnt, aber sie ausdrücklich im Kampf gegen „Besatzer“ billigt. Diese Einschränkung zielt insbesondere gegen Israel. Anwar as-Sadat führte als Zugeständnis an die Islamisten zum Teil die Scharia als offizielles Strafrecht ein und schuf einen religiösen Rat (Schura). Im Artikel 2 der ägyptischen Verfassung wurde die Scharia zur Grundlage des ägyptischen Gesetzes erklärt.

Die Muslimbrüder unterliegen seit einigen Jahren einer Transformation: Während ältere Mitglieder eher eine Theokratie als System bevorzugen, fordern junge bekannte Vertreter hingegen überwiegend die Einführung einer Demokratie mit islamischen Elementen.

Hisbollah

1974 organisierte ein schiitischer Geistlicher, Imam Musa as-Sadr, eine Bewegung der Unterprivilegierten, die deren soziale Lage verbessern sollte. Im libanesischen Bürgerkrieg 1975 bis 1990 baute die Bewegung eine eigene Miliz auf, die Amal-Miliz. Diese geriet im Verlauf des Bürgerkrieges unter den Einfluss des Iran, der nach dem erfolgreichen Verlauf der islamischen Revolution gegen Schah Reza Pahlavi diese auch in den Libanon exportieren wollte. Im Jahr 1982 griff der Iran mit 1500 Pasdaran (Revolutionsgardisten) aktiv in den Bürgerkrieg im Libanon ein.

Im Verlauf des Bürgerkriegs radikalisierten sich Teile der Amal, 1981 spaltete sich die Islamische Amal, kurz darauf unter Führung von Mohammad Hussein Fadlallah die Hisbollah ab.

Während die Hisbollah vom Iran unterstützt wurde, wurde die Amal von Syrien unterstützt. In der Folge kam es 1985 zu schweren Kämpfen zwischen Hisbollah und Amal. Der Beschuss der Flüchtlingslager Sabra und Schatila mit schweren Waffen durch die Amal wurde von der Hisbollah als Grund für die Kämpfe mit der Amal genannt. Es darf angenommen werden, dass es bei diesen Kämpfen zwischen den beiden schiitischen Milizen wohl auch um den Kampf um die Vormacht ging.

Die Hisbollah ist für zahlreiche Anschläge gegen die israelische Armee verantwortlich. Bei vielen weiteren Anschlägen gegen jüdische oder westliche, vorwiegend US-amerikanische Einrichtungen weltweit wird ihre Beteiligung angenommen. Dabei wurden sowohl militärische als auch zivile Ziele getroffen. Auf dem Höhepunkt der Aktivitäten der Hisbollah war etwa eine halbe Million Israelis aus dem Norden Israels vor den Raketenagriffen der Hisbollah in den Süden des Landes geflohen. Die Zahl der Todesopfer wird auf ca. 3000 geschätzt.

Hamas

Die Hamas arabisch für „Eifer“, zugleich Akronym aus Ḥarakat al-muqāwama al-islāmiyya für „Islamische Widerstandsbewegung“, ist eine sunnitisch-islamistische Palästinenser-Organisation. Sie wurde 1987 als Zweig der Muslimbruderschaft mit dem Ziel gegründet, den Staat Israel mit terroristischen Mitteln zu beseitigen und einen islamischen Staat zu errichten. Die Hamas verübt seit 1993 Selbstmordattentate und andere Angriffe, die überwiegend gegen israelische Zivilisten und Soldaten gerichtet sind.

Nach dem Wahlsieg 2006 und den bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen im Juni 2007 stellt die Hamas die Regierung im Gazastreifen. Diese Regierungsübernahme wurde international weitgehend als Putsch der Hamas wahrgenommen.

Über die Zahl der Opfer gibt es keine zuverlässigen Zahlen. Das Büro des UN-Nothilfekoordinators (Ocha) nennt bis dato 1869 Tote.

Taliban

1973 stürzte Mohammed Daoud Khan das afghanische Königshaus und rief eine Republik aus. Der sich an die Sowjetunion anlehnende Mohammed Daoud Khan wurde seinerseits 1978 von der kommunistisch geprägten Demokratische Volkspartei Afghanistans gestürzt. Der Versuch einer Umgestaltung der afghanischen Gesellschaft stieß auf heftigen, in manchen Regionen sogar militärischen Widerstand und führte 1979 zum Einmarsch sowjetischer Truppen. Aus der sojwetischen Intervention entwicklete sich ein Stellvertreterkrieg zwischen der Sowjetuion auf der einen und den von den Vereinigten Staaten, Saudi Arabien und Pakistan unterstützten islamischen Guerillas auf der anderen Seite.

Eine dieser islamischen Guerilla Bewegungen waren die Taliban. Sie hatten ihren Ursprung in religiösen Schulen für afghanische Flüchtlinge in Pakistan. Die Ansichten der Taliban gelten als dogmatisch, orthodox und puritanisch. Eine stark negative Haltung gegenüber allem Westlichen, Vorislamischen und Nicht-Islamischen ist zu erkennen.

1994 traten die Taliban in Kandahar zum erstenmal in Erscheinung, 1996 nahmen sie die Haupstadt Kabul ein und errichteten das islamische Emirat Afghanistan. 2001 wurde die Regierung der Taliban im Rahmen der US-geführten Intervention in Afghanistan gestürzt. Seit 2003 führen die Taliban ausgehend von Pakistan eine terroristisch-militärische Kampagne gegen die demokratische Islamische Republik Afghanistan und die internationalen Truppen der ISAF in Afghanistan.

Menschenrechtsverletzungen

Massaker: Die Taliban verübten systematische Massaker gegen die Zivilbevölkerung, die Vereinten Nationen benannten 15 Massaker in den Jahren 1996 bis 2001. Anfang 1998 schnitten die Taliban ganz Zentralafghanistan, das Hauptsiedlungsgebiet der Hazara, systematisch von UN Hilfslieferungen ab. Diese Hungerblockade von etwa einer Million Menschen war das erste Mal in 20 Jahren Krieg, dass eine Partei Nahrungsmittel als Waffe einsetzte.

Menschenhandel: Taliban- und al-Kaida-Kommandeure unterhielten ein Netzwerk zum Menschenhandel. Sie entführten Frauen und verkauften sie in die Sexsklaverei in Afghanistan und in die Zwangsprostitution in Pakistan.

Unterdrückung von Frauen: Mädchen war es verboten, zur Schule zu gehen, viele Schulen wurden geschlossen und in Kabul durften Frauen nicht mehr ihre Berufe ausüben. Eine Frau durfte ohne männlichen Begleiter nicht ärztlich behandelt werden. Da es männlichen Ärzten generell verboten war, Frauen anzuschauen oder zu berühren, konnten Frauen nur noch sehr eingeschränkt untersucht werden. Das Tragen der Burka war auch während der Behandlung Pflicht.

Terrorismus gegen die Zivilbevölkerung:  Im Jahr 2009 waren die Taliban laut Angaben der Vereinten Nationen für über 76 % der Opfer unter afghanischen Zivilisten verantwortlich. Auch im Jahr 2010 waren die Taliban für über 3/4 der zivilen Todesopfer in Afghanistan verantwortlich. Zivilisten sind mehr als doppelt so häufig das Ziel tödlicher Anschläge der Taliban als afghanische Regierungstruppen oder Truppen der ISAF.

al-Kaida

Der Krieg in Afghanistan zog junge Männer aus verschiedenen arabischen Männern an, die in den Dschihad gegen die Sowjetunion ziehen wollten. Zusammen mit Osama bin Laden eröffnete Abdallah Azzam 1984 in Peschawar ein Dienstleistungsbüro, um diese jungen Männer aufnehmen, betreuen und organisieren zu können. Unterstützung erhielten die beiden vom amerikanischen Auslandsnachrichtendienst CIA im Rahmen der Operation Cyclone und aus mit den USA befreundeten islamischen Ländern, insbesondere durch den pakistanischen Nachrichtendienst ISI. Im April 1987 rief Abdallah Azzam dazu auf, eine „feste Basis“ (qāʿida sulba) zur Verbreitung des Islams zu gründen. Der Ausdruck „die feste Basis“ al-qāʿida as-sulba, im Westen verkürzt als „al-Kaida“ bekannt, wurde namengebend für die Gruppe von Kämpfern, die nach dem Ende des Afghanistan-Einsatzes den Dschihad mit Osama bin Laden fortsetzen wollten.

Grundsätzlich handelt es sich bei der von al-Kaida vertretenen Ideologie um eine extreme Form des Islamismus, der den Dschihad gegen angeblich un- bzw. antiislamisch handelnde Länder, Regierungen, Religionsgemeinschaften und Volksgruppen als einzige Möglichkeit sieht, die Interessen des Islam zu vertreten. Al-Kaida geht davon aus, dass die einzige Antwort darauf, dass der Islam die ihm zustehende Rolle in der Welt nicht erfüllen kann, eine Verschwörung weiter Teile der Welt gegen den Islam ist, welche von Israel, den USA und den westeuropäischen Ländern geführt wird. Weiter ist man davon überzeugt, dass solange Israel existiert und politische sowie kulturelle Einflüsse aus dem Westen die muslimische Gesellschaft unterwandern, der Islam nicht geeint werden kann.

Als Legitimation für ihr Handeln beruft sich al-Kaida auf eine Urform des Islam, bei der laut Interpretation das Hauptaugenmerk auf dem Krieg gegen die Ungläubigen, deren Bekehrung und der Einigung aller Muslime unter einem gemeinsamen Kalifat liegt.

Osama bin Laden erklärte bei einem Interview 1999, für ihn und seine Anhänger gebe es keine Zivilisten, sondern nur Feinde, die ausnahmslos zu töten die heilige Pflicht eines jeden Muslims sei.

zugeschriebene Anschläge:

JahrAnschlagOpfer
Februar 1993Bombenanschlag auf das World Trade Center 1993 in New York6 Tote, > 1.000 Verletzte
Dezember 1994Anschlag auf den Philippine-Airlines-Flug 434.1 Toter, 10 Verletzte
November 1995Sprengstoffanschlag auf eine US-Militäreinrichtung in Riad (Saudi-Arabien)7 Tote
Juni 1996Sprengstoffanschlag mit einem LKW auf den Khobar Tower nahe dem saudisch-amerikanischen Luftwaffenstützpunkt in Zahran (Saudi-Arabien)19 Tote, 64 Verletzte
November 1997Massaker an Touristen bei Luxor in Ägypten68 Tote
August 1998Bombenanschläge auf die amerikanischen Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania)224 Tote, mehrere Tausend Verletzte
Oktober 2000Anschlag auf die USS Cole (DDG-67) im Hafen von Aden (Jemen)17 Tote, 39 Verletzte
Dezember 2000Landesweite Bombenanschläge gegen christliche Kirchen in Indonesien am Weihnachtsabend.18 Tote, 100 Verletzte
September 2001Selbstmordattentat auf Ahmad Schah Massoud1 Toter
11. September 2001Terroranschläge in den Vereinigten Staaten gegen das Wordl Trade Center, das Kapitol und das Pentagon3.000 Tote, weit über 6.000 Verletzte
Oktober 2001fünf Bombenanschläge auf einen Komplex von Verwaltungsgebäuden in Srinagar und Massaker in einer Kirche im pakistanischen Bahawalpur54 Tote
Januar 2002Entführung und Ermordung des US-Journalist Daniel Pearl.1 Toter
März 2002Anschlag mit Handgranaten auf eine Kirche in Islamabad (Pakistan)5 Tote
April 2002Bombenanschlag auf die al-Ghriba-Synagoge in Djerba (Tunesien) 19 Tote
Mai 2002Attentat in Karatschi (Pakistan) auf Ingenieure aus Frankreich 14 Tote
Mai 2002Anschlag auf einen Touristenbus im indischen Kaluchak 31 Tote
Juni 2002Autobombenanschlag vor dem US-Konsulat in Karatschi7 Tote
September 2002Autobombenanschlag in Kabul (Afghanistan)26 Tote
Oktober 2002Anschlagsserie in Zamboanga City auf den Philippinen11 Tote
Oktober 2002Angriff auf den französischen Öltanker Limburg1 Toter
Oktober 2002Bombenanschlägen gegen Diskotheken in Bali (Indonesien)202 Tote
Oktober 2002Attentat auf amerikanischen Entwicklungshelfer in Amman (Lordanien)1 Toter
November 2002Anschläge auf israelische Touristen im kenianischen Mombasa16 Tote, 80 Verletzte
Dezember 2002Anschlag auf eine Bahnstrecke im indischen Kurnool,20 Tote, 80 Verletzte
Dezember 2002Attentat auf amerikanische Ärzte In Dschibla (Jemen)3 Tote
März 2003:Bombenanschlag auf den Davao City Airport21 Tote und 148 Verletze
Mai 2003Anschlag auf ein Wohnquartier von Ausländern in Riad (Saudi-Arabien)35 Tote
Mai 2003Anschlag in einem Gerichtsgebäude im Jemen4 Tote
Mai 2003Anschläge auf ausländische und jüdische Einrichtungen in Marokko32 Tote
Juni 2003Anschlag auf einen Bus der deutschen Bundeswehr in Afghanistan4 Tote
August 2003Anschlag auf eine Hotel in Jakarta12 Tote
August 2003Bombenanschlag mit einem Lastwagen auf die Jordanische Botschaft in Bagdad17 Tote, 40 Verletzte
August 2003Selbstmordanschlag auf das UNO-Hauptquartier in Bagdad22 Tote, 100 Verletzte
August 2003Autobombenanschlag auf die schiitische Imam-Ali-Moschee125 Tote, > 500 Verletzte
November 2003Anschlag auf ein Wohnquartier von Ausländern in Saudi-Arabien18 Tote
November 2003Anschlag auf italienische Soldaten in Nasiriya28 Tote, 103 Verletzte
November 2003insgesamt vier Anschlägen in Istanbul57 Tote, > 700 Verletzte
Februar 2004zwei Selbstmordanschlägen im nordirakischen Ibril117 Tote, 133 Verletzte
Februar 2004Anschlag auf die SuperFerry 14 in Manila116 Tote
März 2004Anschlag in Kerbela und Bagdad während des schiitischen Aschura-Festes178 Tote, > 500 Verletzte
März 2004Anschläge auf vollbesetzte Pendlerzüge in Madrid191 Tote, 2051 Verletzte
Mai 2004Anschlägen in Kerbala und Najaf67 Tote, > 100 Verletzte
Juni 2004Anschlag auf ein Rekrutierungsbüro der irakischen Armee in Bagdad35 Tote, 145 Verletzte
Juni 2004Anschlag auf US-Soldaten im Irak41 Tote, 141 Verletzte
September 2004Anschlag auf das Polizeihauptquartier in Bagdad47 Tote, 114 Verletzte
Oktober 2004Anschlag in Taba und Ra's Schaitan34 Tote
Juli 2005Anschläge auf Londoner U-Bahn-Stationen und Busse56 Tote, > 500 Verletzte
Juli 2005Selbstmordattentäter zündet in Mussayyib im Irak auf einem menschenbefüllten Markt seine Sprengstoffweste100 Tote, 150 Verletzte
Juli 2005Drei Anschläge in Scharm El-Scheich in Ägypten88 Tote
August 2005 Bombenattentat auf eine Personenfähre auf den Philippinen> 30 Verletzte
September 2005Anschlag auf Arbeitssuchende in Bagdad160 Tote, 570 Verletzte
Oktober 2005Anschlag von Bali 200523 Tote, 129 Verletzte
Oktober 2005Bombenanschläge in Delhi62 Tote, 210 Verletzte
November 2005zwei Autobombenanschläge in Bagdad14 Tote, > 100 Verletzte
November 2005Explosionsserie in drei jordanischen Luxushotels67 Tote, > 300 Verletzte
April 2006Anschlag gegen Touristen im ägyptischen Dahab23 Tote, 80 Verletzte
Juli 2006Synchron ablaufende Terrorwelle im indischen Mumbai209 Tote, 714 Verletzte
April 2007Anschlagserie in Bagdad200 Tote, 251 Verletzte
Februar 2007 Anschlag auf den indisch-pakistanischen Samijhauta Express68 Tote, 50 Verletzte
Mai 2007Terroranschlag in Bagdad82 Tote, 138 Verletzte
Juli 2007Anschlag auf spanische Touristen im Jemen10 Tote
Juli 2007Bombenanschlägen und Raketenangriffe in Bagdad92 Tote, 127 Verletzte
August 2007Anschlag von Sindschar796 Tote, 1562 Verletzte
August 2007zwei Bombenanschläge im indischen Hyderabad42 Tote, 54 Verletzte
November 2007Anschlag auf eine Delegation afghanischer Parlamentarier100 Tote
Dezember 2007Anschlag auf UNO-Gebäude in Algier60 Tote
Februar 2008Terroranschläge in Afghanistan100 Tote
Mai 2008Anschläge in Jaipur80 Tote, 216 Verletzte
Juli 2008über 20 Bombenexplosionen im indischen Ahmedabad56 Tote, > 200 Verletzte
September 2008Anschläge auf die US-Botschaft im Jemen19 Tote, 16 Verletzte
September 2008Bombenanschlag auf das Marriott-Hotel in Islamabad54 Tote, 266 Verletzte
November 2008Serie von Bombenanschlägen, Massakern, Geiselnahmen und Gefechten mit der Polizei174 Tote, 239 verletzte
April 2009Selbstmordanschläge im irakischen Muqdadiyah76 Tote, 103 Verletzte
Juni 2009Anschlag im somalischen Beledweyne35 Tote
August 2009Terroranschläge in Bagdad101 Tote, 563 Verletzte
Oktober 2009Anschläge in Bagdad155 Tote, 500 Verletzte
Oktober 2009Angriff auf ein UN-Gebäude in Kabul11 Tote
November 2009Attentat in Fort Hood, USA13 Tote, 32 Verletzte
Dezember 2009Anschlag auf ein Hotel in Mogadischu17 Tote
April 2010Terroranschläge in Bagdad85 Tote, 145 Verletzte
Mai 2010Terrorwelle im Irak100 Tote, 350 Verlezte
Mai 2010zwei Anschlägen auf Moscheen in Lahore98 Tote, 120 Verletzte
Juli 2010Bombenanschläge in Kampala74 Tote
November 2010Anschläge in der Schiitenregion Nordjemens23 Tote
Januar 2015Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris12 Tote

Boko Haram

Boko Haram ist eine islamistische terroristische Gruppierung im Norden Nigerias. Sie setzt sich für die Einführung der Scharia in ganz Nigeria und das Verbot westlicher Bildung ein; auch die Beteiligung an Wahlen lehnt sie ab. Boko Haram ist bekannt für die Ermordung von Christen und Muslimen in Nigeria. Ethnisch gehören die meisten Mitglieder von Boko Haram dem Volk der Kanuri an. Berichten zufolge hat sich Boko Haram formell der Terror-Miliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen.

Für die der Boko Haram zum Opfer gefallenen gibt es folgende Schätzungen.

JahrOpfer
2011512 Tote
2012534 Tote
20134826 Tote
20142530 Tote
20152838 Tote

Entführungen:

Nach Angaben von Amnesty International hat Boko Haram seit 2014 mehr als 2000 Mädchen und Frauen verschleppt. Sie werden als Kämpferinnen oder als Sexsklavinnen missbraucht. Der bedeutendste Vorfall dieser Art ereignete sich in der Nach vom 14. zum 15. April 2014, als bewaffnete Männer 276 jugendliche Schüler der Government Secondary School in Chibok im Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias verschleppten.

Al-Shabaab

Die Harakat al-Shabaab al-Mujahideen ist eine islamistische militante Bewegung in Somalia. Sie kämpfte im somalischen Bürgerkrieg gegen die bis Anfang 2009 im Land stationierten äthiopischen Truppen und bekämpfte die Übergangsregierung Somalias sowie seit deren Auflösung im August 2012 den somalischen Staat. Al-Shabaab kontrolliert Teile Südsomalias und setzt dort die Schari’a in strenger Form durch.  Ihr Ziel ist die Errichtung eines islamischen Staates am Horn von Afrika und die Beteiligung an einem weltweiten Dschihad.

DatumAnschlagOpfer
Juli 2010Anschläge in Kampala74 Tote
September 2013Überfall auf das Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi68 Tote
Dezember 2013Granatenangriff auf einen Regionalbus in Nairobi4 Tote
März 2014Anschlag auf die katholische Kirche Joy Jesus Church in Likoni2 Tote
März 2014Handgranatenanschlag in Nairobi6 Tote
Mai 2014Anschlägen in Mombasa3 Tote
Mai 2014Selbtsmordattentat in Nairobi6 Tote
Mai 2014Bomben-Anschlag in Nairobi4 Tote
Mai 2014Bomben-Anschlag auf das Regierungsviertel von Mogadischu
Mai 2014Angriff auf Restaurant La Chaumiere in Dschibuti2 Tote
Juni 2014Anschlag im kenianischen Küstenort Mpeketoni48 Tote
Juli 2014Anschlag auf ein Polizeirevier im County Tana River (Kenia)9 Tote
Juli 2014Anschlag im Ort Hindi im Bezirk Bezirk Lamu (Lamu County) (Kenia)29 Tote
November 2014Anschlag auf Bus im Bezirk Mandera (Kenia)28 Tote
Dezember 2014Angriff auf das Hauptquartier der Truppen der Afrikanischen Union in Mogadischu4 Tote
Dezember 2014Anschlag mit Autobombe vor dem somalischen Parlament4 Tote
Februar 2015Anschlag auf Central Hotel in Mogadischu20 Tote
März 2015Anschlag auf Maka al-Mukarama-Hotel in Mogadischu10 Tote
April 2015Angriff auf den Campus des Garissa University College in Kenia150 Tote
April 2015Angriff auf das somalische Hochschulministerium10 Tote
Juni 2015Überfall auf Polizeiwache im Süden Somalias20 Tote
Juni 2015Angriff auf Truppenstützpunkt der Mission der Afrikanischen Union in Somalia50 Tote
Juli 2015Anschlag auf Militärlager im Bezirk Mandera in Kenia14 Tote
Juli 2015Bombenanschläge auf das Hotel Weheliye und Siyaad City Hotel in Mogadischu7 Tote
Juli 2015Bombenanschlag auf Jazeera Palace Hotel am Flughafen von Mogadischu13 Tote
September 2015Angriff auf Basis der Afrikanischen Unions (AU)-Truppen in Janaale70 Tote
Dezember 2015Überfall auf Bus im Distrikt Mandera (Kenia)2 Tote

Islamischer Staat

Der Islamische Staat ist eine seit 2003 aktive terroristisch agierende sunnitische Miliz. Ihr gehören derzeit zehntausende Mitglieder an. Der IS beherrscht derzeit größere Gebiete im Irak und in Syrien und kleinere Gebiete in Libyen. Der IS hat sich im Juni 2014 als dschihadistischer „Quasi-Staat” deklariert.

Dem IS gelang die militärische Eroberung eines zusammenhängenden Gebietes im Nordwesten des Irak und im Osten Syriens. In der Folge verkündete die Organisation am 29. Juni 2014 die Gründung eines Kalifats mit Abu Bakr al-Baghdadi als „Kalif Ibrahim – Befehlshaber der Gläubigen“. Damit ist der Anspruch auf die Nachfolge des Propheten Mohammed als politisches und religiöses Oberhaupt aller Muslime verbunden.

Die Organisation hat ihren Ursprung im Widerstand gegen die Besetzung des Irak. Sie bekannte sich anfangs zu Al-Qaida, von deren Führung sie sich etwa Mitte 2013 löste und im Januar 2014. Der IS kämpft im syrischen Bürgerkrieg gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad, aber zugleich auch gegen die Freie Syrische Armee sowie gegen die kurdische Minderheit im Norden des Landes. Der IS kämpft weiterhin im zweiten libyschen Bürgerkrieg seit 2014 sowohl gegen die international anerkannte Regierung von Ministerpräsident Abdullah Thenni als auch gegen die Streitkräfte der Gegenregierung um Chalifa al-Ghweil und hat in Libyen ein „Emirat“ ausgerufen.

Seit August 2014 sind IS-Truppen Ziele von Luftangriffen einer breiten Koalition von Staaten, an denen sich die USA und mehrere westliche und arabische Staaten beteiligen.

Der IS geht mit ausgesprochener Brutalität gegen seine Opfer vor. Allein im Zeitraum Juli 2014 bis August 2015 sind 305 Fälle von Enthauptungen dokumentiert. Es gibt keine verläßlichen Quellen über Opferzahlen, bislang dürften mindestens 6.073 Menschen Opfer des IS-Terrors geworden sein. Die spektakulärsten Aktionen im Jahr 2015 waren die Sprengung eines russischen Verkehrsflugzeugs über dem Sinai mit 224 Toten und die Anschläge in Paris mit 130 Toten.

Der IS finanziert seine Aktivitäten aus dem Verkauf von Öl, durch Raub, Erpressung nach Entführung und Spenden reicher Gönner, vor allem aus Saudi-Arabien und Katar.

Al-Nusra-Front

Al-Nusra-Front („Unterstützungsfront für das syrische Volk“) ist eine dschihadistisch-salafistische Organisation in Syrien. Sie ist eine al-Qaida zugehörige Gruppe, die im syrischen Bürgerkrieg gegen die Regierung Baschar al-Assads, aber auch gegen Teile der Freien Syrischen Armee (FSA) und kurdische Volksverteidigungseinheiten kämpft.

Die Anschläge der Al_Nusra-Front zielen vorwiegend auf militärische Ziele in Syrien und forderten mindestens 381 Todesopfer.

Fazit

Der Rückblick auf das vergangene Jahrhundert zeigt, dass Terror kein spezielles Phänomen der Gegenwart ist. Vielmehr zeigt sich, dass bestimmte Bedinungen die Entstehung von Terror begünstigen.

Politische bzw. wirtschaftliche Umbrüche lassen bei den Bürgern ein Klima der Unsicherheit entstehen. Gelingt es den Regierenden nicht, den Bürgern das Gefühl von Unsicherheit und Angst zu nehmen, suchen sie Zuflucht bei jenen, die einfache Antworten auf komplizierte Fragen anbieten. Gefragt sind durchsetzungsfähige Politiker. Die Menschen sind bereit auch einen Pakt mit dem Teufel einzugehen, wenn sie dadurch Linderung ihrer Ängste erwarten können.

Failed States

Die Entstehung vieler Terrororganisationen im Nahen Osten kann vor diesem Hintergrund gesehen werden. So führte z.B. der Sturz Saddam Huseins zu einer völligen Destabilisierung und Zerrüttung des Irak. Das Staatsgebiet des Irak wurde in drei Quasi-Staatsgebiete gespalten. Die Wirtschaft liegt am Boden, soziale Probleme nehmen überhand, die staatlichen Strukturen sind erodiert. Der Irak ist zum failed state geworden. Der Bürgerkrieg der Jahre 2005 bis 2007 führt schließlich zum Aufstieg konfessioneller militanter Organisationen, zunächst von al-Kaida und dann des IS. Das entstandene Machtvakuum wurde von islamistischen Terrororganisationen gefüllt.

Ähnlich verläuft die Entwicklung in Syrien. Der Arabische Frühling im Dezember 2010 führt auch in Syrien zu Protesten gegen das diktatorische Regime in Damaskus. Der Versuch der Regierung diese Proteste gewaltsam niederzuschlagen verschärft den Konflikt. Aus Protesten werden gewalttätige Auseinandersetzungen, der Konflikt wird zum Bürgerkrieg. Eine wachsende Einflussnahme von Interessengruppen aus dem Ausland läßt auch Syrien zum failed state werden. Durch die Fragmentierung des Widerstandes gegen die Zentralregierung wird die islamistische Terrororganisation IS zum bestimmenden Faktor in Syrien.

Terror und Islam

So betrachtet hat der Islam nichts mit islamistischen Terrororganisationen zu tun. Islamistischer Terror wird im Namen des Islam verübt. Der Islam wird von diesen Organisationen für die Rechtfertigung ihrer Verbrechen mißbraucht. Es gibt Terroristen, die Muslime sind, aber nicht alle Muslime sind Terroristen.

Was die zivilisierte Welt allerdings vermißt, ist der Protest der Muslime gegen den Mißbrauch ihrer Religion durch Verbrecher, die Mord, Verschleppung, Menschenhandel und Vergewaltigung mit dem Islam rechtfertigen.

Wenn ein mittelmäßiger Karikaturist wenig lustige Zeichnungen über den Propheten Mohammed veröffentlicht, erhebt sich unter den Muslimen ein weltweiter Sturm der Entrüstung, es kommt zur Erstürmung von Botschaften und schließlich fordern diese Proteste auch Todesopfer.

Wenn der Autor in seinem Buch Die satanischen Verse die religiösen Gefühle von Moslems “verunglimpft”, wird er in einer Fatwa zum Tode verurteilt. Diese Fatwa ist bis heute nicht aufgehoben!

Warum kommt es angesichts des massiven Mißbrauchs des Islam durch islamistische Terrororganisationen nicht zu einer weltweiten Empörung und zu weltweiten Demonstrationen? Schon in der Rechtssprechung der Griechen und Römer galt der Rechtsgrundsatz: qui tacet, consentire videtur (wer schweigt, scheint zuzustimmen).

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