Lässt uns die Erderwärmung kalt?

Während die Ergebnisse der vom 30.11.2015 bis 12.12.2015 in Paris abgehaltenen UN-Klimakonferenz überwiegend als positiv bewertet wurden, ist es in den darauf folgenden Monaten still geworden um dieses Abkommen.

Andere Themen wie z.B. die Flüchtlingskrise in Europa oder die Weltwirtschaftskrise haben den Fokus der öffentlchen und der veröffentlichten Meinung auf andere Problembereiche gerichtet.

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Mit diesem Beitrag soll das Thema Klimawandel wieder etwas in den Fokus gerückt werden. Dabei steht allerdings nicht die Frage im Vordergrund, ob es den Klimawandel gibt, es ght auch nicht darum, ob er natürliche Ursachen hat oder durch den Menschen bedingt ist, der Schwerpunkt der Überlegungen soll dabei liegen, welche Folgen die Erderwärmung für uns alle hat bzw. haben wird.

Klimawandel eine Fata Morgana?

Zunächst noch eine Bemerkung zu der Frage, ob es den Klimawandel gibt. Für die Mehrzahl der Klimaexperten ist der Klimawandel ein Faktum (Die fünf großen Klima-Irrtümer, KlimafaktenÖkosystem Erde, Informationsportal Klimawandel, Klimawandel – Umweltbundesamt ). Daneben gibt es freilich immer noch Gruppierungen, die eine Erwärmung unseres Klimas in Abrede stellen (Klimaschwindel).

Den Verlauf der globalen Durchschnittstemperatur in den letzten 150 Jahren zeigt die folgende Abbildung.

Mittlere globale Oberflächentemperatur
Abb. 1: Mittlere globale Oberflächentemperatur

Es ist deutlich zu erkennen, dass die globale Durchschnittstemperatur seit 1860 um ca. 0,8°C zugenommen hat. Aus dieser Graphik ist natürlich nicht ablesbar, dass dieser Temperaturanstieg vom Menschen verursacht wurde. Ein Indiz für diesen Zusammenhang könnte sein, dass etwa gleichzeitig mit dem erkennbaren Temperaturanstieg die Industrialisierung einsetzt.

Abbildung 2 zeigt die CO2-Konzentration  in der Atmosphäre gemeinsam mit der globalen Durchschnittstemperatur dar.

 

Abb. 2: Zusammenhang zwischen Temperatur, CO2 Gehalt in der Atmosphäre und der Sonnenaktivität
Abb. 2: Zusammenhang zwischen Temperatur, CO2 Gehalt in der Atmosphäre und der Sonnenaktivität, Quelle: Kohlenstoffzyklus

Es ist gut zu erkennen, dass gleichzeitig mit dem CO2-Gehalt auch due globale Durchschnittstemperatur ansteigt, dass also zwischen den beiden Größen ein Zusammenhang bestehen muss.

Oft wird eingewendet, dass Klimaschwankungen von Sonnenaktivitäten verursacht werden. In Abb. 2 sind auch die Sonnenaktivitäten der letzten 150 Jahre dargestellt. Seit 1960 nehmen die Sonnenaktivitäten tendenziell ab, während die globale Durschschnittstemperatur weiter gestiegen ist. Sonnenaktivitäten können für die Zunahme der Temperaturen, zumindest in den letzten 50 Jahren, ausgeschlossen werden.

Als Ursachen für den CO2-Anstieg in den letzten 150 Jahren gelten die Verbrennung fossiler Brennstoffe und die fortschreitende Entwaldung der Erde.

Klimawandel ist nicht neu, den hat es immer schon gegeben

Neben der Verneinung der Existenz des Phänomens Klimawandel hört man öfters das Argument, dass ein Klimawandel nichts besonderes sei, dass sich das Klima im Verlauf der Ergeschichte unzählige Male verändert hat. Abb. 3 zeigt den Temperaturverlauf während des letzten Eiszeitalters. Allein während dieses Eiszeitalters gab es 16 Kaltzeiten, die von 10 Warmzeiten unterbrochen wurden.

Abb. 3: Kalt- und Warmzeiten im letzten Eiszeitalter
Abb. 3: Kalt- und Warmzeiten im letzten Eiszeitalter, (Quelle: Eiszeiten)

Klimawandel ist also durchaus ein natürliches Phänomen und hat immer schon zu Änderungen in Flora und Fauna geführt. Was macht den aktuellen Klimawandel dann so speziell? Warum wird er von vielen als so bedrohlich wahrgenommen? Das Aussterben von Arten gab es bei früheren Klimaänderungen auch. Das Sterben von Arten gehört zur Evolution wie der Tod zum Leben. Warum also sollte Artenschutz das Motiv sein, den aktuellen Klimawandel verhindern zu wollen?

Was den aktuellen Klimawandel so speziell macht ist der Umsand, dass es das erste Mal in der Erdgeschichte ist, dass Milliarden von Menschen davon betroffen sein werden. Es geht also nicht um Klimaschutz um der Erhaltung von Tier- und/oder Planzenarten willen, es geht darum, die Auswirkungen auf Menschen möglichst gering zu halten. Es geht nicht um Klimaschutz oder um Umweltschutz, es geht letzlich um Menschenschutz.

Folgen des Klimawandels

Verschiebung der Klimazonen

Pro Grad Celsius Erwärmung ist mit einer Verschiebung der Klimazonen um 100–200 km nach Norden zu rechnen. Einer 2015 veröffentlichten Arbeit zufolge haben sich im Zeitraum 1950–2010 durch die globale Erwärmung für 5,7 % der weltweiten Landfläche die Klimazonen hin zu wärmeren, trockeneren Klimaten verschoben.

Meeresspiegel

Im letzten IPCC-Bericht aus dem Jahr 2007 wurde eine 95 %-ige Wahrscheinlichkeit eines mittleren Meeresspiegelanstiegs zwischen 18 und 59 cm im 21. Jahrhundert angegeben. Unter Berücksichtigung des in den Klimamodellen noch nicht berücksichtigten Anstieg der Kalbungsrate der polaren Gletscher und unter der Annahme einer beschleunigten Eisdynamik ergibt sich ein maximal möglicher Meeresspiegelanstieg zwischen 0,8 und 2 m bis zum Jahr 2100.

Zu den Risiken gehören gesteigerte Küstenerosion, höhere Sturmfluten, veränderte Grundwasserspiegel, Schäden an Gebäuden und Häfen oder die Verschlechterung der Bedingungen für Landwirtschaft und Aquakulturen. Ohne Gegenmaßnahmen würden bei einem Anstieg des Meeresspiegels um 1 m weltweit 150.000 km² Landesfläche dauerhaft überschwemmt werden, davon 62.000 km² küstennaher Feuchtgebiete. 180 Millionen Menschen wären betroffen, und 1,1 Billionen Dollar an zerstörtem Besitz wären zu erwarten (bei heutiger Bevölkerung und Besitzstand).

Erwärmung der Meere

Die Erwärmung der Meere hat Folgen für ihre Bewohner wie Fische und Meeressäuger. Sie wandern polwärts, worin sie den Landtieren ähneln. Die Populationen des Kabeljaus in der Nordsee etwa schrumpfen stärker, als es allein mit Überfischung erklärt werden kann; sie wandern infolge der steigenden Temperaturen bereits nordwärts. Nördlich gelegene Regionen profitieren von dieser Entwicklung: Für das Nordmeer ist davon auszugehen, dass sich der Fischfang insgesamt verbessern und die Zusammensetzung des Fangs ändern wird, solange die Erwärmung sich auf 1–2 °C beschränkt.

Durch die steigenden Temperaturen der Meere ist es als wahrscheinlich zu betrachten, das es vermehrt zu starken Algenblüten kommen wird. So stellen Dinoflagellaten eine nicht zu unterschätzdende toxische Bedrohung für Mensch und Umwelt dar. Bei einer Massenvermehrung von giftigen Dinoflagellaten wird soviel Gift produziert, dass auch Fische und andere Meereslebewesen getötet werden. Karenia brevis produziert die Brevetoxine und kann bei den von ihnen erzeugten „Roten Tiden“ zu Massensterben bei Fischen, Vögeln und Säugern führen. Es ist wichtig zu erwähnen, dass giftige Dinoflagellaten (z.B. Alexandrium catenella, Karlodinium veneficum) mehr Zellgift produzieren, wenn das Wasser saurer wird.

Ein nicht zu unterschätzendes Problem für den Menschen wird die Verseuchung von Nahrungsquellen durch giftige Algenarten darstellen, inwieweit das schon jetzt der Fall sein könnte ist nicht bekannt, da kaum Datensätze zur Verfügung stehen.

Antarktis

Die gesamte Antarktis bilanziert laut diverser Studien negativ, mit einem Verlust von ca. 200 Gigatonnen pro Jahr. In der noch relativ kurzen Zeitreihe der Massenbilanz der Antarktis zeichnet sich ein Trend Richtung Anstieg der Massenverluste ab.

Grönland

Betreffend den groben Zeitrahmen für ein vollständiges Verschwinden des Eisschildes auf Grönland zeigen Modellberechnungen, unter Annahme verschiedener Szenarien eines zukünftigen globalen Temperaturanstiegs, dass dafür zumindest mehrere Jahrhunderte bis Jahrtausende notwendig sind. Sollte das grönländische Eisschild aber einmal verschwunden sein, dann würde es sich unter den heutigen Klimabedingungen nicht mehr aufbauen können.

Gebirgsgletscher

Bis zum Ende des Jahrhunderts gehen rund 83% der Gletscherfläche verloren. Mit der durchaus plausiblen Modellwelt des IPCC-Szenarios A1B als Grundlage verbleiben zur Mitte des 21. Jahrhunderts noch 37% bis 56% der aktiven Gletscherfläche in den Alpen (gegenüber dem Zeitraum 1971–90), je nachdem ob der Niederschlag ab- oder zunimmt. Gegen Ende des 21. Jahrhunderts sind dann nur noch 13% bis 20 % der Fläche vorhanden.

Vergleicht man die einzelnen Alpenländer, so erweisen sich die Schweizer Gletscher als am stabilsten, gefolgt von den italienischen, französischen, österreichischen und den deutschen. Österreich steigt durch die im Schnitt geringeren Gipfelhöhen gegenüber den Westalpen wesentlich ungünstiger aus, mit nur mehr 20 % bzw. 7 % aktiver Gletscherfläche zur Mitte bzw. zum Ende des 21. Jahrhunderts.

Permafrost

Permafrost hat in vielen Hochgebirgsregionen eine große Bedeutung für die Stabilität von Schutt- und Felshängen, insbesondere in hohen Steillagen. Bei verschiedenen Berg- und Felsstürzen in den letzten Jahren gibt es eine Reihe von Indizien, die auf das Abschmelzen (Degradation) von Permafrost zumindest als eine der Ursachen hindeuten. Neben der Degradation des Permafrosts ist aber vor allem auch die geologische Ausgangssituation entscheidend für eine Destabilisierung hochalpiner Bereiche.

Mit der immer stärkeren Erschließung der Gebirge für den Tourismus stellt die Degradation des Permafrosts auch ein bautechnisches Problem dar. Stabilität und Sicherheit von Straßen, Seilbahnen, Berghütten und Wanderwegen werden schon teilweise von diesem Umstand beeinträchtigt.

Dürren und Überschwemmungen

In einer Studie aus dem Jahr 2002 werden mehrere tausend Zeitserien verschiedener klimatischer Indikatoren ausgewertet, die zu dem Schluss führen, dass sich die Zahl der Tage mit besonders schwerem Niederschlag signifikant erhöht hat. So haben sich etwa schwere Regenfälle in Großbritannien während des Winters nahezu verdoppelt. Während in den 1960ern 7–8 % der Niederschläge im Winter in die Kategorie Starkregen fielen, waren es in den 1995ern bereits ca. 15 %.

Einer Studie von 2012 zufolge hat sich der Wasserkreislauf der Erde zwischen 1950 und 2000 um 4 % verstärkt. Mit jedem Grad Celsius an Erwärmung wird der Wasserkreislauf laut Studie um rund 8 % beschleunigt, was Niederschlagsmuster verändere und Ungleichgewichte in der globalen Wasserversorgung verschärfe. Dies führe zu mehr Trockenheit in bereits trockenen Regionen und einer Zunahme von Überschwemmungen in bereits wasserreichen Gebieten.

Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen

Umweltflüchtlinge

In Regionen der Dritten Welt werden Lebensräume einerseits durch den steigenden Meeresspiegel – etwa in Bangladesh – und anererseits durch zunehmende Wasserkanppheit – z.B. in Afrika – verloren gehen bzw werden die Lebensbedingungen nachhaltig beeinträchtigt oder unerträglich werden. Diese Entwicklung wird zu zunehmenden Wanderbewegungen in Form  von Umweltflüchtlinge führen.

Gesundheitliche Folgen

Dem IPCC zufolge werden die negativen Folgen der Erwärmung für die Gesundheit die positiven sehr wahrscheinlich übersteigen. Besonders stark werden dabei die Entwicklungsländer betroffen sein.

Zu den indirekten Folgen der globalen Erwärmung zählt die regionale Änderung von Gesundheitsrisiken durch Veränderung des Verbreitungsgebiets, der Population und des Infektionspotentials von Krankheitsüberträgern wie Stechmücken (z. B. Anopheles, Überträgerin der Malaria), Flöhen oder Zecken. Neben der reinen Temperaturerhöhung wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit die durch stärkere Regenfälle und das Abtauen von Permafrostregionen bedingte Zunahme von Feuchtgebieten speziell auf Stechmückenpopulationen auswirken.

Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben schon heute jährlich mindestens 150.000 Menschen an den indirekten Folgen der globalen Erwärmung, zu denen die WHO Nahrungsmangel, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Durchfall, Malaria und andere Infektionen zählt.

Volkswirtschaftliche Schäden

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt, dass bis zum Jahr 2050 Schäden von bis zu 200 Billionen US-Dollar auftreten könnten. Der von der britischen Regierung in Auftrag gegebene Stern-Report hält fest, dass die Gesamtkosten und -risiken, die sich aus dem Klimawandel ergeben, heute und auf Dauer einer Einbuße in Höhe von 5 % des Welt-Bruttosozialprodukts entsprechen, möglicherweise sogar bis zu 20 % – was in etwa den Folgen der Weltwirtschaftskrise der 1930er entspräche.

Versicherungsschäden

Nach Angaben der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft besteht ein deutlich erkennbarer Trend hin zu schwereren und kostspieligeren Naturkatastrophen.

Die britische Association of British Insurers rechnet in einem Bericht von 2005 mit um zwei Drittel steigenden versicherten Schäden bis 2080 lediglich durch Stürme, und zwar auf dann jährlich 27 Milliarden Dollar allein in den Märkten USA, Japan und Europa. Die Schäden durch Überflutungen in Großbritannien sieht die Association um das Fünfzehnfache erhöht.

Die Berechnungen gelten alle für ansonsten unveränderte sozioökonomische Bedingungen, beziehen also weder Aspekte der Bevölkerungsentwicklung noch den in der jüngeren Vergangenheit beobachtbaren Trend zur Ansiedlung in attraktiven, aber besonders verwundbaren Küstenregionen.

Zu einer ähnlichen Prognose kommt ein Bericht der amerikanischen Versicherer, laut dem sich die Versicherungsschäden durch Hurrikans alle zehn Jahre verdoppeln werden, weil die Baukosten wie auch die Zahl der Gebäude zunehmen und sich die Art der Ausführung ändert.

Landwirtschaft

Die Europäische Union hat im Rahmen des Vierten Rahmenprogramms für Forschung und Entwicklung im Bereich Umwelt und Klima die Effekte auf die EU-Mitgliedstaaten untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Produktivitätsunterschiede zwischen verschiedenen Nutzpflanzenarten zunehmen werden.

In Teilen Südeuropas könnte es bei Überschreiten einer Temperaturobergrenze von einzelnen Pflanzenarten zu Missernten kommen, während es in Europa unter Umständen möglich sein wird, dank einer wärmeren und längeren Vegetationsperiode ein breiteres Spektrum von Arten anzubauen. Die Auswirkungen auf die gegenwärtig angebauten Arten werden voraussichtlich in Südeuropa eher negativ, in Nordeuropa eher positiv ausfallen.

Tourismus

Die österreichische Wirtschaft ist stark tourismusabhängig. Hochsaison für den Tourismus sind der Kernwinter (Jänner und Februar) sowie der Hochsommer (Juli und August). Ein Temperaturanstieg ist für alle Jahreszeiten zu erwarten. Direkte Auswirkungen auf die Tourismusbranche in den Zielgebieten Österreichs wären beispielsweise weniger Schnee in den Schigebieten, höhere Wassertemperaturen der österreichischen Badeseen, Gefährdung alpiner Wanderwege durch Auftauen des Permafrostes und Hangrutschungen.

Für den Tourismus bedeutet der Klimawandel also beides: Chance und Risiko.

Fazit

Die Erderwärmung wird, egal ob sie natürliche Ursachen hat oder vom Menschen verursacht wird, enorme Auswirkungen auf unsere Lebensumstände haben.

Es wird zu großen Schäden für Privatpersonen aber auch für ganze Volkswirtschaften kommen. Es wird zu Wanderbewegungen und damit verbunden zu Abwehrversuchen kommen. Es wird zu Auseinandersetzungen zwischen Staaten um den Zugang von Resourcen kommen. Es ist zu erwarten, dass diese Auseinandersetzungen nicht immer gewaltfrei verlaufen werden.

Klimaschutz bedeutet also nicht Rücksichtnahme auf die Natur, sondern ein Bewahren von Lebensumständen, ein Vermeiden von wirtschaftlichen Schäden. Wir sollten Klimaschutz also aus purem Egoismus heraus betreiben.

Links

Klimafolgen ZAMG

Folgen der globalen Erwärmung

Klimawandel: Ursachen und Folgen

Animation: Folgen des Klimawandesl

Folgen des Klimawandels für Ozeane und Küsten

Europäische Kommission: Folgen des Klimawandels

 

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