Geld als Perpetuum Mobile?

Geld ist für uns selbstverständlich. Es ist allgegenwärtig. Es ist jenes Schmiermittel, das unser Wirtschaftssystem am Laufen hält. Doch woher kommt unser Geld? Wie entsteht es? Wie viel Geld gibt es? Wie wird sein Wert festgelegt?

Was ist ein Perpetuum mobile?

Laut Wikipedia ist ein Perpetuum mobile (lat. ‚sich ständig Bewegendes‘, Mehrzahl Perpetua mobilia) ein hypothetisches Gerät, das – einmal in Gang gesetzt – ohne weitere Energiezufuhr ewig in Bewegung bleibt und dabei – je nach zugrundegelegter Definition – möglicherweise auch noch Arbeit verrichtet. All diese Merkmale scheinen auf das System der Geldwirtschaft zuzutreffen.

Ein Perpetuum mobile, so wie es in der Physik definiert ist, widerspricht elementaren Gesetzen der Physik, daher kann es ein derartiges Gerät nicht geben, alle Versuche ein derartiges Gerät zu bauen sind käglich gescheitert.

Auch der Geldwirtschaft liegen Gesetze zugrunde, die bedingen, dass sie nicht ewig in Bewegung bleiben und dabei noch Arbeit verrichten kann. Auch dieser Versuch, ein Perpetuum mobile zu bauen, ist zum Scheitern verurteilt.

Doch beginnen wir ganz von vorne.

Wie entsteht Geld?

Die Ursprünge der Geldwirtschaft

Nachdem Menschen begonnen hatten, mit ihren produzierten Waren Handel zu treiben, stellten sie sehr bald fest, dass der Handel mit Naturalien ziemlich umständlich sein kann.

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brotWenn sich z.B. ein Bäcker am kommenden Wochenende einen Schweinsbraten zubereiten möchte, könnte er zu seinem Nachbarn dem Bauern gehen und könnte dort versuchen, sein Brot gegen Schweinefleisch eintzuauschen.

SchweinEr müsste allerdings ein ganzes Schwein erwerben, denn Schweine gab es damals weder portioniert und abgepackt. Er könnte dann zwar seinen Schweinebraten zubereiten, allerdings würde ihm, selbst bei angeregtem Appetit, doch eine große Menge Schweinefleisch übrig bleiben. Um zu vermeiden, dass der Rest schlecht wird, müsste er versuchen, dieses Fleisch einzutauschen, z.B. gegen Stoff. Was aber, wenn der Weber kein Schweinefleisch benötigt?

Gold und Silber als universielle Tauschmittel

goldmünzenDa wäre es doch schön, wenn es ein universielles Tauschmittel gäbe. Dieses universielle Tauschmittel wurde in Form der Edelmetalle Gold und Silber gefunden. Um Gold bzw. Silber als Tauschmittel verwenden zu können, war es nötig, es zu „portionieren“, d.h. in Stücke definierter Größe zu teilen und mit dem Siegel einer vertrauenswürdigen Instanz (z.B. des Königs) zu versehen. Damit war garantiert, dass ein Stück ein ganz bestimmtes Gewicht und damit einen bestimmten Wert besitzt. Die Geldmünzen waren geschaffen.

Geldscheine als Kreditbriefe

Münzen als Zahlungsmittel haben den Handel deutlich erleichter. Doch stieß man auch damit bald an Grenzen, nämlich beim Handel mit geographisch entfernten Handelspartnern.

Wenn man schon eine lange und beschwerliche Reise auf sich nahm, um in einem fernen Land Waren einzukaufen, dann machte es durchaus Sinn, diese Waren in größeren Mengen zu erwerben. Um dies tun zu können, ist es erforderlich, Münzen in größerer Menge mit sich zu führen. Dies macht die ohnhin schon beschwerliche Reise noch beschwerlicher aber auch gefährlicher.

Kreditbrief_SchwedenAls Lösung dieses Problems wurde ein System von Beglaubigungsschreiben geschaffen. Ein Händler hinterlegt in seinem Heimatort eine bestimmte Menge von Münzen. Dafür erhält er ein Beglaubigungsschreiben in dem die Hinterlegung dieses Geldbetrages bestätigt wird. Am Ziel seiner Reise kann er unter Vorlegen des Beglaubigungsschreibens diesen Geldbetrag in Form von Münzen beheben und damit seinen Geschäften nachgehen.

Die Idee des Papiergeldes war geboren. Zwischen diesen Beglaubigungsschreiben, die eigentlich nichts anderes als Kreditbriefe waren, und unserem heutigen Papiergeld gibt es einen wesentlichen Unterschied.

Dem im Beglaubigungsschreiben eingetragenen Geldbetrag steht der vom Händler hinterlegte Geldbetrag gegenüber. Dieser Geldbetrag ist durch die hinterlegten Geldstücke abgesichert. Im Gegensatz dazu ist unser heutiges Geld nur zu einem sehr geringen Prozentsatz durch Gold abgesichert. Unser heutiges Geld ist also nur ein Versprechen dass es als Zahlungsmittel allgemein akzeptiert wird. Unser heutiges Geld funktioniert nur wenn wir ihm vertrauen.

Damit kommen wir zur Frage, wie Geld heute entsteht.

Wie wird unser Geld heute geschaffen?

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Österreichische Nationalbank

Die landläufige Meinung ist, dass Geld von den Notenbanken gedruckt wird. Das System der Kreditbriefe vulgo Banknoten hat den Vorteil, dass sie den Handel wesentlich komfortabler machen. Mit ihnen kann man problemlos Handel treiben und bei Bedarf können sie jederzeit in Gold- bzw. Silbermünzen eingetauscht werden. Die Händler fanden dieses System so angenehm, dass sie auf den physichen Austausch von Münzen verzichteten. Stattdessen wurden die Kreditbriefe von einem Händler zum nächsten weiter gegeben, im Vertrauen darauf, dass für jeden Kreditbrief ein entsprechender Geldbetrag hinterlegt wurde. Dieses System wird als „Goldhinterlegungsstandard“ oder kürzer „Golddeckung“ bezeichnet.

TresorNachdem das System der Geldscheine allgemein akzeptiert war und sich zeigte, dass niemals alle Banknoten gleichzeitig zum Eintausch gegen Münzen vorgelegt wurden, tat man den nächsten Schritt. Man brachte mehr Geldscheine in Umlauf als wirklich Gold un Silber in den Tresoren vorhanden waren. Am 15. August 1971 wurde der Grundstein für das heutige Wirtschaftssystem gelegt. Der damalige US-Präsident Richard Nixon hob an diesem Tag die Goldbindung des Dollar auf. Bis zu diesem Tag konnte jeder 35 Dollar gegen eine Feinunze (31,1 Gramm) eintauschen. Die USA hatten sich sich durch die Kriege in Korea und Vietnam finanziell überhoben und zu viele Dollar zur Kriegsfinanzierung in Umlauf gebracht. Als Frankreich 1969 seine gesamten Dollarnoten in den USA gegen Gold eintauschen wollte, konnte Amerika dieses Gold nicht liefern. Nixon musste die Notbremse ziehen.

Seit jenem Tag kann der Dollar gegen nichts mehr eingetauscht werden. Unser Wirtschaftssystem hängt seither einzig davon ab, dass die Menschen und die Wirtschaft diesen Geldscheinen ohne Deckung vertrauen.

Geldschöpfung durch  Zentralbanken

Die zentrale Rolle bei der Schaffung von Geld spielen die Zentralbanken (Geldschöpfung durch Geschäftsbanken).  Sie vergeben Kredite an Geschäftsbanken und erschaffen damit Geld. Ursprünglich geschah dies im Vollreserve-Sysetem, heute im Mindestreserve-System.

Vollreserve-System bedeutet, dass sämtliches von einer Bank verliehenes Gels aus ihrem Eigenkapital stammen oder von der Zentralbank ausgeborgt sein muss. Die Kredite der Zentralbank werden den Geschäftsbanken gegen Sicherheiten und Zahlung eines Zinses eingeräumt – ähnlich Krediten der Geschäftsbanken gegenüber Nichtbanken (Unternehmen, private Haushalte, öffentliche Hand).

Beim Mindestreserve-System ist die Kreditvergabe einer Bank lediglich an eine Mindestreserve gebunden. Sie muss nur einen Teil der Guthaben stets verfügbar zur Auszahlung bereit halten. So schreibt das zweite Baseler Abkommen (Basel II) den Banken vor, dass sie mindestens acht Prozent der mit Risiken behafteten Forderungen mit Eigenkapital unterlegen müssen. Die verbleibenden 92 Prozent können sie über Verbindlichkeiten (z. B. Einlagen von Sparern) finanzieren.

Geldschöpfung durch Geschäftsbanken

Ähnlich der Zentralbank können auch Kreditinstitute Geld schaffen und zwar einfach dadurch, dass sie Kredite vergeben oder Wertpapiere von Unternehmen kaufen. Dies läuft dann so ab:

Wenn ein Kunde z.B. 10.000 € in Bar auf ein Konto einer Bank einzahlt, werden ihm diese 10.000 € gutgeschrieben. Die Bank kann nun einen Teil dieses Geldes Kredit vergeben. 1% des einbezahlten Bargeldes, also 100€, muss die Bank als Mindestreserve zurück behalten, über  9.900€ kann die Bank einen Kredit vergeben. Durch die Vergabe dieses Kredits wurde, zusätzlich zu den 10.000€ Bargeld, 9.900€  Geld geschaffen.

Die Probleme der Geldschöpfung

Zentralbanken und Geschäftsbanken haben die Möglichkeit, Geld zu schöpfen, d.h. sie können die Geldmenge vergrößern. Diese Möglichkeit hat aber ihren Preis.

Problem 1: Geldschöpfung generiert neben Geld auch Schulden

Sowohl das Geld der Zentralbank als auch das Geld der Geschäftsbanken gibt es nicht gratis, für das Ausborgen muss eine Gebühr bezahlt werden, im Fall der Zentralbank der Leitzins, im Fall der Geschäftsbank der Kreditzins.

Durch die Verrechnung von Zinsen entsteht allerdings das Problem, dass die Kreditnehmer mehr Geld zurückzahlen müssen als sie ausgeborgt haben. Dieses zusätzliche Geld existiert aber noch nicht, d.h. es kann auch nicht zurückbezahlt werden, es bleiben Schulden (Wenn Geld arbeitet entstehen Schulden).

GeldschöpfungAngenommen 100 Kunden einer Bank haben einen Kredit über 1000€ mit einer Laufzeit von einem Jahr bei einer Verzinsung von 5% aufgenommen. Die Bank Bank verborgt insgesamt 100.000€. Nach einem Jahr muss dieser Betrag inklusive Zinsen von 5.000€ zurückbezahlt werden. Diese zusätzlichen 5.000€ sind nicht Bestandteil der von der Bank verliehenen 100.000€, daher sind sie auf dem Markt auch nicht verfügbar und können auch nicht zurückbezahlt werden. Für die Kreditnehmer bleiben Schulden von 5.000€.

Problem 2: der Zinseszinseffekt oder der Zwang zum Wachsen

Durch den Prozess der Geldschöpfung entstehen Schulden. Um diese tilgen zu können, müssen die Kreditnehmer versuchen, ihren Umsatz zu steigern, dazu aber müssen sie neue Kredite aufnehmen. Damit verbunden ist eine Vergrößerung der Geldmenge. Eine Vergrößerug der Geldmenge wiederum bedeutet eine Erhöhung des Schuldenstandes. Das Perpetuum mobile scheint geschaffen zu sein.

Mit der Art, wie Geld geschaffen wird, kommt auch der Zinseszinseffekt in die Welt. Mit ihm verbunden ist die Schaffung von Ungleichheit in der Verteilung von Vermögen (Wie sozial ist die soziale Marktwirtschaft?).

Problem 3: Vergrößerung der Geldmenge oder Geldentwertung

In einem Markt steht der verfügbaren Geldmenge eine bestimmte Menge an Produkten bzw. Dienstleistungen gegenüber. Durch das Verhältnis von Geldmenge zur Menge von Produkten bzw. Dienstleistungen werden deren Preise festgelegt. Betrachten wir folgendes Beispiel:

Angenommen wir haben auf der einen Seite 100.000€ und auf der anderen Seite 10 Autos, dann hat ein Auto einen Wert von 10.000€. Kommen nun durch Geldschöpfung weitere 10.000€ in den Markt, dann steht den 10 Autos eine Geldmenge von 110.000€ gegenüber, d.h. ein Auto hat nun einen Wert von 11.000€ oder anders formuliert, die Euros sind weniger Wert geworden, das Geld hat an Wert verloren.

Geldentwertung (Inflation) ist ein wesentlicher Antrieb der Wirtschaft. Denn Unternehmen bzw. Konsumenten müüsen davon ausgehen, dass sie durch den Wertverlust ihres Geldes in Zukunft einen geringeren Gegenwert bekommen werden. Es besteht der Anreiz, das Geld möglichst bald auszugeben bzw. zu investieren. Die Inflation ist eine weitere Triebfeder des Perpetuum moble Geldwirtschaft.

Problem 4: Inflation versus gefühlte Inflation

Die Infaltion ist ein notwendiger Antrieb für die Wirtschaft eines Landes. Sie darf nicht zu niedrig sein, schon gar nicht negativ werden. Negative Inflation (Deflation) führt zu einem Schrumpfen der Wirtschaft. Andererseits darf die Inflation nicht zu hoch werden, das Ziel der EZB ist es, sie im Bereich zwischen 1% und 2% zu halten. Betrachtet man die von der EZB veröffentlichten Jahresinflationsraten von 1997 bis 2015 scheint die EZB dieses Ziel weitgehend erreicht zu haben.Inflation_Offiziell_EUDie Inflationsrate pendelt um die 2% Marke. Sorge bereitet die Entwicklung seit 2011. Seit diesem Jahr geht die offizielle Inlfationsrate stetig zurück, in den Jahren 2015 und 2016 ist sie sogar negativ. Die Gefahr einer Deflation in der EU versucht die EZB durch Senkung des Leitzinssatzes of 0% und durch massive Aufkäufe von Staatsanleihen zu bekämpfen (Mario Draghi als Reanimateur).

Trotz der seit Jahren veröffentlichten niedrigen Inflationsraten haben die Konsumenten das Gefühl, dass diese Zahlen nicht stimmen können. Sie haben das Gefühl, dass die sogenannte gefühlte Infaltion deutlich höher liegt. Das Geld, das sie in der Tasche haben reicht immer weniger lange. Von offizieller Seite wird diese Divergenz damit erklärt, dass die offizielle Inflationsrate mit dem sogenannten Warenkorb gemessen wird. Ein repräsentativer Warenkorb ist die Zusammenstellung einer möglichst repräsentativen Anzahl verschiedener Güter zur Ermittlung der Inflation.

Man kann Inflation aber auch anders messen und zwar als Differenz der Zunahme der Geldmenge und des Wirtschaftswachstums (beide in Prozent). Die folgenden Abbildungen zeigen die Entwicklung der Zunahme der Geldmenge und die Entwicklung des Wirtschaftswachstums.

geldmenge_aenderung_eu

Wachstum_EU

Die reale Inflation ergibt sich nun aus der Differenz der beiden Werte. Die folgende Abbildung zeigt das Ergebnis.

Inflation_Real_EU

Diese Werte liegen deutlich höher als die offiziell verlautbarten Infaltionsraten. Sie bestätigen das Gefühl, das die Menschen haben: Ihr Geld verliert rasant an Wert.

Wenn die veröffentlichten und wahrgenommenen Inflationsraten so deutlich auseinanderklaffen, stellt sich die Frage, warum hält man am Instrument Warenkorb fest, wo er doch so ungenau zu messen scheint? Cui bono? Wem nützt es, wenn die reale Inflationsrate über der gemessenen liegt? All jenen, die Schulden haben und der Staat ist der größte Schuldner (Wenn Geld arbeitet entstehen Schulden). Solange die Geldmenge schneller wächst als die Wirtschaft wächst, wird Geld weniger wert. Damit werden auch die Schulden weniger wert, sie schmelzen dahin wie der Schnee in der Märzsonne.

Fazit

Unsere Geldwirtschaft wirkt wie ein Perpetuum mobile. Sie treibt sich selber an und generiert immer größere Geldmengen. Damit verbunden generiert sie aber auch immer größere Schuldenstände und eine Umverteilung der Gelder von unten nach oben. All diese Phänomene sind nicht unbeabsichtigte Nebeneffekte, nein, sie sind dem System immanent. Das System Geldwirtschaft schaukelt sich selbst immer stärker auf, so lange bis es kollabiert. Die Krise 2008 war ein erster Vorbote des bevorstehenden Crashs. Die Entwicklung alternativer Wirtschaftskonzepte tut dringend not.

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