Genug gestreikt:

BildquelleJohn Englart (CC BY-SA 2.0)/flickr

Die zweite Dekade des 21. Jahrhunderts ist zu Ende gegangen. Das letze Jahr dieser Dekade war geprägt durch das Entstehen und die weltweite Ausbreitung der von Greta Thunberg initiierten Bewegung „Fridays for Future„. Was mit einem „Schulstreik“ begann, entwickelte sich zu einer Bewegung, mit der die Jugend beginnt von der Elterngeneration Verantwortung einzufordern. Greta Thunberg hat diese Forderung auf dem UN-Klimagipfel 2019 [10] auf den Punkt gebracht: „How dare you? You have stolen my dreams and my childhood.“[9]

Sind Schulstreiks noch das geeignete Mittel?

Klimaaktivisten ist es im vergangenen Jahr gelungen, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Thema Klimawandel zu richten. In der öffentlichen und in der veröffentlichen Meinung hat das Thema Klimawandel inzwischen einen hohen Stellenwert erhalten. Wie die UN-Klimakonferenz 2019 in Madrid [11] gezeigt hat, sind die Forderungen der Klimaaktivisten allerdings noch nicht bis auf die Ebene der Verantwortungsträger vorgedrungen. Die Klimademonstrationen haben noch nicht zu einer Änderung der Klimapolitik geführt, im Gegenteil maßgebliche Klimasünder wie z.B. die USA beginnen sich vom Klimaabkommen zu verabschieden [1].

Auch Regierungen, die sich bislang als Musterschüler in Sachen Klimaschutz gesehen haben, halten sich mit konkreten Maßnahmen sehr bedeckt. Das Klimapaket [3], das von der Bundesregierung in Berlin beschlossen wurde, ist eher ein Klimapäckchen in dem sich Klimaschutzmaßnahmen in homöopathischer Dosierung finden. Die Bundesregierung will Klimaziele nicht verpflichtend erreichen, sie will Klimaziele „verfolgen“. Übersetzt bedeutet dies, dass das Erreichen von Klimazielen in Kauf genommen wird, falls es sich halt so ergeben sollte. Aktive, konsequente Klimapolitik sieht anders aus.

In Österreich sieht Klimapolitik so aus, dass man der EU-Kommission in Brüssel einen nationalen Energie- und Klimaplan [2] meldet, der aus Überschriften und Absichtserklärungen besteht, aber keine konkreten Verpflichtungen enthält. Dieser „Klimaplan“ wurde von der Kommission entsprechend als nicht ausreichend zurück gewiesen. Wie weit sich Österreichs Entscheidungsträger von der Realität entfernt haben zeigt der Umstand, dass sie Österreich noch immer als Klimamusterland sehen, obwohl Österreich beim Pro-Kopf-CO2-Ausstoß weltweit an der 14. Stelle liegt (siehe Tabelle 1).  In Europa wird dieser Wert nur von Russland, den Niederlanden, der BRD und Finnland getoppt.

Die Lage der Welt

Trotz weltweiter Initiativen von Klimaaktivisten befindet sich die Welt in einem beklagenswerten Zustand. Anhand einiger aktueller Beispiele soll dieser Zustand verdeutlicht werden.

Australien

Australien brennt! Aktuell ist eine Fläche von der Größe der Niederlande abgebrannt und die Feuer sind nach wie vor nicht unter Kontrolle. Derzeit herrschen in weiten Teilen des Kontinents Temperaturen von 45°C – 49°C. Die heißeste Zeit des Jahres steht den Australiern aber erst bevor. Es muss angenommen werden, dass sich die Situation so bald nicht entschärfen wird.

Content not available.
Please allow cookies by clicking Accept on the banner

Obwohl große Teile des Landes durch Buschfeuer vernichtet werden, sieht der Australische Premier Minister Scott Morrison keine Notwendigkeit, seine Wirtschafts- bzw. Klimapolitik zu ändern. Australien gehört weltweit zu den Ländern mit den größten Braun- und Steinkohlereserven (siehe Tabellen 5 und 6) und damit ist es einer der größten Kohle-Exporteure. Beim Braunkohleverbrauch liegt Australien weltweit an 7. Stelle. Australien ist damit sowohl ein Produzent als auch ein Exporteur von CO2. Beim Pro-Kopf-Ausstoß  von CO2 liegt Australien auf dem vierten Platz. Australien ist gleichzeitig Mitverursacher und Opfer des Klimawandels und Australiens Regierung hält unbeirrbar an ihrem Wirtschaftskurs fest. Wie viele Australier müssen in den Feuern noch umkommen, wie hoch muss der wirtschaftliche Schaden sein, bis Australines Verantwortungsträger beginnen umdenken?
Tabelle 1: Pro-Kopf CO2 Ausstoß nach Staaten

Frankreich, Italien, Spanien

Quelle: Unwetter in Frankreich

Im letzten Quartal dieses Jahres gab es in Spanien, Italien und Frankreich schwere Unwetter mit Todesopfern und enormen Sachschäden. Beim Pro-Kopf-Ausstoß von CO2 liegt Spanien an 20. Stelle, Italien an 22. Stelle und Frankreich 24. Stelle. Im Gegensatz zu Italien haben die Regierungen in Spanien und Frankreich reagiert. Sie haben der EU-Kommission die ambitioniertesten nationalen Energie- und Klimapläne (NEKP) vorgelegt. Von 100 möglichen Punkten hat Frankreich 52,4 und Spanien 46,9 Punkte erreicht, während Italien mit seinem NEKP nur 26,9 Punkte erreicht. Mit circa 50% der erreichbaren Punkte sind Spaniens und Frankreichs Klimapläne zwar die ehrgeizigsten aller EU-Staaten, dennoch bleiben sie weit hinter dem notwendigen Soll zurück. Inwieweit die eingereichten Pläne von Frankreich und Spanien dann wirklich umgesetzt werden, bleibt abzuwarten.

Content not available.
Please allow cookies by clicking Accept on the banner

Afrika

Die Viktoriafälle sind ausgetrocknet. (Quelle: REUTERS/Mike Hutchings)

Beim Pro-Kopf-CO2 Ausstoß ist Südafrika mit 7,43 Tonnen pro Kopf das einzige afrikanische Land unter den Top 30 Staaten.

Bei den Klimaschäden befinden sich laut Klima-Risiko-Index [12] unter den Top Zehn nur drei Länder aus Afrika. Afrikanische Staaten gehören also zu jenen, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, aber massiv von dessen Auswirkungen betroffen sind.

Klima Risiko Index
Ranking Land Todesopfer Schäden in Mio. US$
1 Japan 1281 35.839,34
2 Philippinen 455 4.547,27
3 BRD 1246 5.038,62
4 Madagaskar 72 568,10
5 Indien 2081 37.807,82
6 Sri Lanka 38 3.626,72
7 Kenia 113 708,39
8 Ruanda 88 93,21
9 Kanada 103 2.282,17
10 Fidschi 8 118,61

Brasilien

Anders als in Australien, wo Buschbrände ein jährlich wiederkehrendes Phänomen darstellen, das in den letzten Jahren durch den Klimawandel immer massivere Ausmaße angenommen hat, haben die Brände im brasilianischen Regenwald menschliche Ursachen. Brasiliens Präsident Bolsonaro lässt den Regenwald anzünden!

Content not available.
Please allow cookies by clicking Accept on the banner

Bolsonara will, dass der Regenwald wirtschaftlich genutzt wird. Ein klassischer Konflikt zwischen ökonomischen und ökologischen Interessen. Ein intakter Regenwald ist zwar enorm wichtig für ein intaktes Weltklima, bringt aber Brasilien keinen wirtschaftlichen Nutzen. Die internationale Staatengemeinschaft, der ein intakter Regenwald großen Nutzen brächte, ist aber nicht bereit, Brasilien bei der Erhaltung des Regenwalds finanziell zu unterstützen.

Warum verhallen alle Appelle ungehört?

Es geht, wie immer, um Geld. Tabellen 3, 4, 5 und 6 zeigen jeweils jene 10 Staaten die über die größten Erdgas, Erdöl, Braunkohle- oder Steinkohlereserven verfügen. All diese Reserven stellen gebundenes Kapital dar, das nur dann lukriert werden kann, wenn diese fossilen Energieträger gefördert und verbrannt werden. In einer CO2-neutralen Welt sind diese Reserven wertlos. All jenen Staaten und/oder Unternehmen, die zur Zeit aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, also an der Freisetzung von CO2, Gewinne schöpfen, wird in einer CO2-neutralen Welt die Basis ihres Geschäftsmodells entzogen.
Damit stellt sich die rein rhetorische Frage, welches Interesse diese Staaten bzw. Unternehmen an einer CO2-neutralen Welt haben sollten? KEINES! Im Gegenteil, sie werden alles tun, um das zur Zeit gebundene Kapital in Geld zu verwandeln.

Time for Action is NOW!

Angesichts des Umstandes, dass es große Player gibt, die ein massives finanzielles Interesse an der Verbrennung von Gas, Öl und Kohle und damit an der Produktion von CO2 haben, nehmen sich die von der Fridays for Future Bewegung initiierten Demonstration mehr als harmlos aus. Von den Entscheidungsträgern und Steakholdern werden diese Kundgebungen nicht einmal ignoriert!

Der Beginn der dritten Dekade dieses Jahrhunderts sollte zum Anlass genommen werden, den Druck auf die großen Player im CO2-Produktionssystem zu erhöhen. In einem kapitalistischen System ist der wirksamste Hebel zur Steigerung des Drucks Geld!

Die Fridays fo Future Bewegung ist zu einer weltweiten Bewegung mit vielen Aktivisten und noch mehr Sympathisanten geworden. Angesichts der anhaltenden Ignoranz der Enstscheidungsträger sollte diese Bewegung den Schritt vom Wort zur Tat tun. Setzt an die Stelle von Demonstrationen Protestaktionen. Aktionen, die den Entscheidungsträgern weh tun. Mögliche Portestaktionen könnten sein:

  • nennt die Produzenten von CO2-intensiven Produkten beim Namen,
  • fordert Konsumenten zu einem Boykott dieser Produkte auf,
  • nennt die Produzenten von CO2-neutralen Produkten beim Namen,
  • fordert Konsumenten auf, diese Produkte zu kaufen,
  • veröffentlicht über soziale Medien weltweit im Internet ein Ranking der CO2 intensivsten Produkte,
  • veröffentlicht über soziale Medien weltweit im Internet ein Ranking CO2 neutraler Produkte,
  • publiziert in den sozialen Medien, welche Verhaltensweisen dem Klima schaden,
  • publiziert in den sozialen Medien, welche Verhaltensweisen dem Klima nützen,
  • fordert die Einführung von CO2-Zöllen,
  • lasst eurer Fantasie freien Lauf bei der Findung weiterer Aktionen!