Radikalisierung in Österreich

Für die türkis-blaue Regierung hat die Bekämpfung von Terrorismus höchste Priorität. Vor allem sieht  sie Österreichs Sicherheit durch Zuwanderung, speziell aus islamischen Ländern und durch die Entwicklung von Parallelgesellschaften bedroht.

Der Fall Mireille Ngosso

Mireille Ngosso
(Quelle: Facebook)

Dass die Radikalisierung der Gesellschaft in Österreich voran schreitet, zeigt der Fall Mireille Ngosso. Die Wiener SPÖ hat am 10.4.2018 die 37-jährige Mireill Ngosso als neue stellvertretende Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt vorgestellt. Das besondere an der neuen Bezirksvorsteherin: Sie wurde 1980 in der Demokratischen Republik Kongo geboren. Als sie drei Jahre alt war, flohen ihre Eltern mit ihr nach Wien. Damit erfüllt sie perfekt jenes Bild, das türkis-blaue Politiker von der Bedrohung Österreichs entwerfen: Sie stammt einer afrikanischen Migrantenfamilie.

Werbung

Hasspostings in sozialen Netzen

Die Reaktionen auf diese Bekanntgabe fielen entsprechend aus. Auf Facebook findet man Postings in denen Mireille Ngooso in extremster Weise verunglimpft, verächtlich gemacht und rassistisch beschimpft wird.

 

Nimmt man die Facebook Seiten solcher Poster in Augenschein, stößt man recht schnell auf rechtsradikales Gedankengut, das unverblümt und auch unter Angabe des Klarnamens gepostet wird.

 

Welches Weltbild diese Poster haben, zeigt der nebenstehende Screenshot.  Nazis als harmlose Tierfreunde werden Tiere quälenden Afrikanern gegenüber gestellt. Hier soll suggeriert werden, dass Nazis keine schlechten Menschen sein können, wo sie sich doch so fürsorglich um Tiere kümmern. Die Botschaft lautet: Das Füttern einer Katze wiegt alle Verbrechen und Gräuel der Nazis auf.

Was sagen Hasspostings über den Poster?

Verfasser von Hasspostings sind sich nicht bewusst, dass sie mit ihren Postings mehr über sich selbst aussagen, als ihnen lieb ist.

Hass als Folge von Angst

Hass wird als intensives Gefühl von Abneigung gegenüber einer Person oder einer Gruppe von Personen definiert, das zu aggressiven Handlungen gegenüber dem Hassobjekt führen kann. Ursache für dieses Gefühl ist meist eine andauernde Bedrohung oder Kränkung des eigenen Selbstwertgefühls.

Hass entsteht, wenn tiefe und lang andauernde Verletzungen nicht abgewehrt und/oder bestraft werden können. Hass ist somit eine Kombination aus Vernunft und Gefühl. Die Vernunft ruft nach dem Ende der Verletzung und nach einer Bestrafung des Quälenden. Laut Meyers Kleines Lexikon Psychologie ist das Gefühl des Hasses oft mit dem Wunsch verbunden, den Gehassten zu vernichten. Das Gefühl des Hassenden ist das des Ausgeliefertseins, der Gefangenschaft, der Wehrlosigkeit [1].

Es kann als gesichert angenommen werden, dass Hassposter  gegenüber Mireille Ngosso kein Gefühl des Ausgeliefertseins haben, zumal Frau Ngosso einer breiten Öffentlichkeit bislang kaum bekannt war. Die Gefühle des Ausgeliefertseins, der Gefangenschaft und der Wehrlosigkeit müssen ihren Grund woanders haben. Mögliche Gründe für ein derart intensives Gefühl des Ausgeliefertseins und der Wehrlosigkeit können in der Globalisierung, der Liberalisierung, der Deregulierung, der Privatisierung und der Digitalisierung unserer Lebenswelt gefunden werden.

  • Globalisierung: Globalisierung bedeutet aus der Sicht der Arbeitnehmer einen einen globalen Wettbewerb um soziale Standards. Arbeitnehmer stehen unter dem Druck deutlich niedriger Personalkosten in Billiglohnländern. Unter diesem Konkurrenzdruck gibt es zwei Optionen: Steigerung der Produktivität der Arbeitnehmer oder Senkung der Lohnkosten.
  • Liberalisierung: Eine wesentliche Voraussetzung für die Globalisierung der Wirtschaft ist die Liberalisierung. Darunter ist der Abbau von Handelshemmnisse zu verstehen. Damit ist natürlich verbunden, dass produzierende Betriebe und damit deren Arbeitnehmer unter enormen Druck von Mitbewerbern aus Billiglohnländern geraten. [2]
  • Deregulierung: Unter Deregulierung wird Innovation durch Wettbewerb verstanden. [3]. Durch Investitionen sollen Unternehmen neue Arbeitsplätze schaffen, mehr Effizienz soll die Betrieb wettbewerbsfähig machen und die Staatshaushalte entlasten  [4]. Steigerung von Effizienz und die Schaffung neuer Arbeitsplätze stehen allerdings zueinander in Widerspruch. Möchte man beides erreichen ist dies nur durch Steigerung von Exporten möglich. Studien haben gezeigt, dass Deregulierung keine positiven Auswirkungen auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit hat. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln kam 2006 zum Ergebnis, dass der Anteil der Langzeitarbeitslosigkeit an der gesamten Arbeitslosigkeit in Ländern mit weniger Regulierung mit knapp 20 Prozent sehr viel geringer sei als in Deutschland mit über 50 Prozent.
  • Privatisierung: Unter Privatisierung versteht man die Übertragung ehemals staatlicher Aufgaben in den privaten Sektor unter der Annahme, dass private Unternehmen effizienter arbeiten [5]. Bekannte Beispiele dafür sind Privatisierungen im Telekom- und Energieversorgungsbereich. Dass private Unternehmen nicht immer effizienter arbeiten als staatliche Institutionen zeigt die Finanzwirtschaft. Privatisierung und Deregulierung waren wesentliche Triebfedern für den Börsencrash im Jahr 2008.
  • Digitalisierung: Unsere Gesellschaft wird, bedingt durch Digitalisierung in allen Lebensbereichen, vollkommen umgestaltet. Durch Automatisierung laufen Produktionsprozesse vollständig autonom ab und Arbeitskräfte werden freigesetzt. Inzwischen werden aber auch Arbeiten hoch qualifizierter Fachleute von Automaten übernommen.  Es zeichnet sich ab, dass in naher Zukunft Standardverträge speziell in der Finanz-und der Versicherungswirtschaft über Blockchains abgeschlossen werden [6]. Auch in der Medizin wird an Systemen gearbeitet, die Diagnosen erstellen und Therapievorschläge ausarbeiten [7]. Digitalisierung schafft zwar neue Arbeitsplätze, gleichzeitig werden durch sie aber deutlich mehr Arbeitsplätze vernichtet.

Durch diverse Entwicklungen wird das Leben für eine große Zahl von Menschen nicht mehr planbar. Sie stehen unter dem Druck, ihre Jobs zu verlieren. Gleichzeitig drohen soziale Sicherungsnetze wie das Gesundheitssystem, das Pensionssystem oder die Pflege im Alter nicht mehr finanzierbar zu sein. All diese Systeme basieren auf Beitragszahlungen aus Arbeitseinkommen. Immer mehr Bürger fühlen sich als Opfer des Wirtschaftssystems. Sie fühlen sich der Entwicklung hilflos und wehrlos ausgeliefert. Entweder sie resignieren oder sie werden zu Wutbürgern. Diese Wut lässt sich von Parteien instrumentalisieren und kanalisieren indem man Sündenböcke anbietet.

Die Arroganz der Hassposter

Vielen Hasspostings sind folgende Merkmale gemeinsam:

  • Der Hassposter ist überzeugt von sich und seinen Fähigkeiten.
  • Der Hassposter streicht seine Überlegenheit heraus.
  • Der Hassposter hält sich für einzigartig und unersetzlich.
  • Der Hassposter wertet Mitmenschen ab.
  • Der Hassposter spricht abschätzig über andere Menschen.
  • Der Hassposter sieht die Wirklichkeit verzerrt.
  • Der Hassposter tritt bewusst selbstsicher auf.

Entsprechend dem Psychologie Lexikon [8] sind die oben aufgelisteten Punkte wesentliche Kriterien, die auf Menschen zutreffen, die man als arrogant bzw. überheblich bezeichnet.

Die Ursachen für arrogantes bzw. überhebliches Verhalten liegen in einem Gefühl von Minderwertigkeit und/oder Selbstunsicherheit. Aber auch Neid kann eine Ursache für Arroganz sein. Diese Menschen beziehen ihr Selbstwertgefühl aus der Abwertung und Erniedrigung anderer Menschen. Sie müssen andere Menschen klein machen um sich selbst als groß zu fühlen.

Arroganz ist der Versuch der Betroffenen, eine Distanz zu ihrem Gegenüber zu schaffen, um sich zu schützen.

Die Vorstellung von der Überlegenheit der Leitkultur

Hassposter reden von der Leitkultur und meinen damit die Überlegenheit der eigenen gegenüber fremder Kulturen. Worauf sich diese Überlegenheit gründen soll bleibt unklar.

Vielleicht darauf, dass sich die westliche Kultur, ausgehend von Europa, über den gesamten Erdball verbreitet hat? Dabei sollte man allerdings bedenken, dass diese Verbreitung gewaltsam erfolgte und mit Entrechtung, Enteignung, Ausbeutung, Versklavung und Genozid verbunden war. Am Beginn der Neuzeit machten sich die Europäer auf, sich die Welt einzuverleiben. Die Urbevölkerungen wurde entweder ausgerottet, enteignet oder versklavt. Die Geschichte der westlichen Kultur ist eine Geschichte, die von Krieg und Unterjochung erzählt. Kolonialimperien wurden erreichtet, die Kolonien wurden wirtschaftlich ausgebeutet. Die Bevölkerung wurde entrechtet und als Menschen zweiter Kategorie behandelt, während sich die Europäer als Herrenmensch sahen. Diese Vorstellung gipfelte im 20. Jahrhundert im Rassenwahn der Nationalsozialisten und dem von ihnen begangenen Völkermord an den Juden.

Das ist jene Leitkultur, die die Hassposter meinen. Sie ist eine Kultur, die auf Gewalt und Verbrechen fußt. Wie man daraus ableiten kann, dass es sich um eine Leitkultur, also ein Vorbild für Andere handeln könne, ist vollkommen unverständlich.

Die Entwürdigung der Hassposter

Wenn Hassposter Mitmenschen abwerten, ab- und ausgrenzen, dann tun sie dies in der Überzeugung, dass Menschen nicht gleich sind, dass es grundlegende Unterschiede zwischen Menschen gibt, die es einem erlauben, anderen Menschen ihre Würde abzusprechen.

Wie lässt sich diese Haltung mit einem christlichen Weltbild vereinbaren? Christen glauben, dass ihr Gott den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat. Alle Menschen sind also nach dem Ebenbild Gottes geschaffen. Wie lässt sich die Vorstellung von der unterschiedlichen Wertigkeit von Menschen mit diesem Glauben vereinbaren? Wie kann ein gläubiger Christ auf die Idee kommen, die Wertigkeit eines Menschen hänge von der Pigmentierung seiner Haut ab? Wohl nur dadurch, dass jene, die solche Vorstellungen haben, nur vorgeben Christen zu sein und den christlichen Glauben für ihre Zwecke instrumentalisieren.

Spricht man von der Würde des Menschen, meint man damit im Kant’schen Sinne jene Eigenschaften, die einen Menschen zu einem Menschen machen. Es sind jene Eigenschaften, die Menschen von einem Tier unterscheiden. Diese Eigenschaften sind unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Religion, körperlicher oder geistiger Behinderung bzw. von wirtschaftlichem Status. Die Würde des Menschen wird niemandem gegeben, sie kann auch niemandem genommen werden. Sie kommt einem Menschen einfach dadurch zu, dass er als Mensch geboren wird. Aus diesem Grund steht im Artikel (1) des deutschen Grundgesetzes, dass die Würde des Menschen unantastbar ist und dass es die Pflicht staatlicher Gewalt ist, sie zu achten und zu schützen. Es ist ausdrücklich die Würde des Menschen im Allgemeinen gemeint.

Wer Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder anderer Merkmale abwertet, spricht ihnen dadurch ab, ein Mensch zu sein. Wer andere Menschen herabwürdigt entmenschlicht sie, nimmt ihnen damit alle grundlegenden Rechte, die einem Menschen zukommen. Auch das Lebensschutzgebot wird in Frage gestellt. Menschliches Leben wird relativiert. Dies geschieht bereits dort, wo von Minderleistern und von jenen gesprochen wird, die in das System nichts einbezahlt haben. Diesen Menschen wird ihre Würde abgesprochen.

Allerdings kann man Menschen ihre Würde nicht nehmen, man kann sie nur menschenünwürdig behandeln. Das ist das, was Hassposter tun. Sie behandeln Andere in menschenunwürdiger Weise und legen damit ein Verhalten an den Tag, das weder mit christlichen Glaubensvorstellungen noch mit dem kategorischen Imperativ von Kant in Einklang gebracht werden kann. Dieses Verhalten ist eines Menschen unwürdig!

 

Links

[1] Hass

[2] Deregulierung

[3] Deregulierung

[4] Fetisch Wettbewerb

[5] Privatisierung

[6] Verträge ohne Notar?

[7] Computers are better at diagnosing and treating patients than doctors.

[8] Arroganz

 

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.