FPÖ – Von der Buberlpartie zur Burscherlpartie

Einen wesentlichen Akzent der Schwarz-Blauen Koalition der Schüsseljahre setzten die jungen Mitglieder der FPÖ: Haiders Buberlpartie. Während diese Buberlpartie Geschichte ist und deren Mitglieder mit der FPÖ weitgehend nichts mehr zu tun haben, beschäftigen einige von ihnen nach wie vor Österreichs Gerichte. Die FPÖ hat sich gewandelt. An die Stelle von Haiders Buberln sind Burscherln unterschiedlichster Verbindungen getreten. Sie bestimmen den Kurs der Partei. Wohin werden sie die Partei, wohin werden sie Österreich führen?

Die Geschichte der FPÖ

VDU – die Vorgängerorganisation

Bereits 1949, also vier Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges, wird der VDU (Verein der Unabhängigen) gegründet. Der VDU bezeichnet sich als drittes Lager, er sieht sich als politische Vertretung ehemaliger NSDAP-Mitglieder, Heimatvertriebener und Heimkehrer. Noch in seinem Gründungsjahr erreicht der VDU bei seinem ersten Antreten bei Nationalratswahlen mit 11,7 % sein bestens Ergebnis.

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Anton Reinthaller

Eine Folge von Wahlniederlagen und interne Konflikte um die Ausrichtung der Partei führen 1955 zur Gründung der FPÖ. Der erste Parteiobmann Anton Reinthaller ist ein ehemaliger SS-Brigadeführer,  er war Minister im Kabinett Seyß-Inquart und von 1939 – 1945 Reichstagsabgeordneter. Von 1950 – 1953 ist Reithaller wegen nationalsozialistischer Betätigung als Schwerstbelasteter inhaftiert. In seiner Antrittsrede am Gründungsparteitag erklärt er: „Der nationale Gedanke bedeutet in seinem Wesen nichts anders als das Bekenntnis der Zugehörigkeit zum deutschen Volk.“

Peter Friedrich

Der vom späteren Parteiobmann Friedrich Peter, einem ehemaligen Waffen-SS-Oberstrumührer,  versuchte Ausgleich zwischen den nationalen und liberalen Teilen der Partei stößt auf massive Kritik rechtsextremistischer und vor allem burschenschaftlicher Elemente in der Partei. Dieser Konflikt gipfelt 1966 in einer Abspaltung und der Gründung der NPD (Nationaldemokratische Partei).

Norbert Burger

Ihr Gründer Norbert Burger war Bundesvorsitzender des RFS (Ring Freiheitlicher Studenten), Mitglied der Freiheitlichen-Akademikerverbände und Alter Herr der Burschenschaft Olympia. Burger war Mitglied des Befreiungsausschusses-Südtirol, wegen seiner Verbindungen zu gewalttätigen Anschlägen in Südtirol wurde er 1961 verhaftet. 1971 wurde er in Italien in Abwesenheit wegen terroristischer Aktivitäten zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Haider-Jahre, die Wandlung einer national-liberalen zu einer rechtspopulistischen Partei

Steger Norbert

Bis zum Beginn der 80-er Jahre ist die FPÖ eine 6 Prozente Partei. 1983 erzielt die FPÖ unter dem dem liberalen Flügel angehörenden Norbert Steger mit 5% ihr schlechtestes Ergebnis, dennoch kommt es zu einer SPÖ-FPÖ Koalition in der Steger Vizekanzler wird. Steger bemüht sich um ein liberales Image der Partei und versucht so die Partei für neue Wählerschichten zu öffnen.

Jörg Haider

Nach heftigen internen Auseinandersetzungen zwischen dem nationalen und dem liberalen Flügel der Partei übernahm Jörg Haider 1986 auf dem Parteitag in Innsbruck nach einer Kampfabstimmung die Führung der FPÖ. Bis zur Übernahme der Partei durch Haider hatte die FPÖ ihre Hochburgen hauptsächlich im Burschenschafter Milieu. Haider versuchte eine neue Klientel zu erschließen. Dabei zielte er speziell auf das traditionell sozialdemokratisch wählende Arbeitermilieu. Dabei inszenierte er sich als Kämpfer für die Interessen des “kleinen Mannes” gegen “die da oben“, gegen das Establishment. Das nationale Lager versuchte er mit Sagern wie jenen von der “ideologischen Missgeburt Österreichs” oder der “ordentlichen Beschäftigungspolitik im Dritten Reich” bei der Stange zu halten.

Haiders Buberlpartie

Unter der Führung Haiders mutiert die FPÖ zu einer rechtspopulistischen Partei. Oberstes Ziel allen politischen Handels ist die Stimmenmaximierung. Haider umgibt sich mit einer Gruppe junger, ehrgeiziger Politiker, die nicht aus dem Parteiapparat sondern aus Haiders freundschaftlichem Umfeld kommen. Diese Gruppe wird später als Buberlpartie bezeichnet werden. Mehrere von ihnen kamen mit dem Gesetz in Konflikt, mussten sich vor Gericht verantworten und wurden zu Freiheitsstrafen verurteilt. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die bekanntesten Mitglieder der Buberlpartie.

 

Der politische Absturz

Unter Haiders Führung erreicht die FPÖ bei den Nationalratswahlen 1999 mit 26,91% ihr bislang bestes Ergebnis. Haider entschloss sich, nicht persönlich in die gebildete ÖVP-FPÖ Regierung einzutreten. Stattdessen betrieb er von Kärnten aus weiter Oppositionspolitik und konterkarierte damit die Versuche seiner in der Regierung vertretenen Minister eine moderate Politik zu betreiben. Dieses Verhalten gipfelte im Herbst 2002 auf einem Sonderparteitag in Knittelfeld. Es kam zum endgültigen Bruch zwischen der Pareteiführung unter Susanne Riess-Passer und der Gruppe um Jörg Haider. Infolge dieser Spaltung traten Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Klubobmann Peter Westenthaler zurück, es folgten Neuwahlen. Bei den Nationalratswahlen 2002 stürzte die FPÖ auf einen Stimmenanteil von 10% ab. Nach weiteren desaströsen Wahlergebnissen kam es innerhalb der FPÖ zu einem Richtungsstreit, der letztlich zur Spaltung der Partei führte.

H. C. Strache

Am 4. April 2005 geben die damalige Spitze der FPÖ und Jörg Haider den Übertritt in eine neu gegründete Partei mit dem Namen Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) bekannt. Am 23.April 2005 wird Heinz-Christian Strache mit 90,1 Prozent der Stimmen zum neuen Parteiobmann der FPÖ gewählt. Im März 2006 erreicht die FPÖ ihren historischen Tiefststand. Sie ist nur mehr mit 2 Abgeordneten im Nationalrat vertreten.

Wiedererstarken in der Opposition

Mit der Gründung des BZÖ ist der FPÖ der liberale Flügel abhanden gekommen. Die Rest-FPÖ, nunmehr unter der Führung von Strache, mit Herbert Kickl im Hintergrund, repräsentiert den nationalen Flügel der Partei. Strache und Kickl setzen von anbeginn auf die nationale Karte. Dies zeigt sich deutlich an den plakatierten Parolen für diverse Wahlkämpfe:

  • „Wien darf nicht Istanbul werden“,
  • Deutsch statt nix versteh’n“,
  • Daham statt Isalm“,
  • Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe“,
  • Mehr Mut für unser Wiener Blut“,
  • Pummerin statt Muezzin“,
  • Die Islamisierung gehört gestoppt“,
  • „Sozialstaat statt Zuwanderung” oder
  • Heimat statt Schüssel und Brüssel“.

Die FPÖ unter Strache entwickelt sich zu einer rechtspopulistischen Partei, die auf Islam- und EU-Feindlichkeit setzt. Sie ist damit erfolgreich und sucht sich auf internationaler Ebene Partner im rechten nationalen Lager. Zu ihren Bündnispartnern zählen der Front National, die AfD,  die Partei der Freiheit von Geert Wilders, der belgische Vlaams Belang,  die italienischen Separatisten der Lega Nord oder Einiges Russland.

Burschenschaften

Mit der Übernahme der FPÖ durch HC Strache gelingt es den Burschenschaften, die unter Haider zu ca. 25% in der Partei verankert waren, sich zu einem die Partei dominierenden Faktor zu entwickeln.

Burschenschafter in der FPÖ

Im Zusammenhang mit der Causa der bei der Germania Wiener Neustadt gefundenen Liederbücher mit NS-Liedern hat HC Strache am 10. 3. 2018  erklärt: “Die Burschenschaften haben nichts mit der FPÖ zu tun.” [19]

Diese Aussage Straches ist verwunderlich, wenn man bedenkt, dass in dem am 9. 11. 2018 neu angelobten Nationalrat 20 der 51 Abgeordneten der FPÖ, also 40%, “völkisch” korporiert sind (siehe Tabelle unten).

 

 

 

 

Noch verwunderlicher ist diese Aussage Straches, man einen Blick auf die Besetzung des Bundesvorstandes der FPÖ wirft. Die Führung der FPÖ wird zu 100% von Burschenschaftern dominiert [20]:

  • Heinz-Christian Strache: Mitglied der Vandalia Wien
  • Norbert Hofer: Mitglied der Marko-Germania
  • Harald Stefan: Mitglied der Olympia Wien
  • Johann Gudenus: Mitglied der Vandalia
  • Manfred Haimbuchner: Mitglied der Alemannia

Burschenschafter machen 0,04% der Bevölkerung aus, sind aber zu 100% in Bundesvorstand und zu 40% im Parlamentsklub der FPÖ vertreten und der Parteiobmann möchte uns weismachen, die Burschenschaften haben nichts mit der FPÖ zu tun. Was also möchte Strache mit seiner Aussage bezwecken? Möchte er verdecken, dass die als Partei des “kleinen Mannes” inszenierte FPÖ von einer akademischen, reaktionären, rechtsextremen Elite übernommen wurde?

Der Vorwurf des Rechtsextremismus wird von den Burschenschaftern dezidiert zurückgewiesen. Zurecht?

Das Weltbild der Burschenschafter

Anlass für die aktuell geführte Diskussion gaben die Funde von Liederbüchern mit eindeutig antisemitischen NS-Liedern bei den Burschenschaften der Germania in Wiener Neustadt und der Brunea Sudetia in Wien [21]. In diesen Liederbüchern finden sich unter anderem folgende Textstellen:

 

Sowohl bei der Germania als auch bei der Brunea Sudetia weisen die Verantwortlichen von sich, etwas von der Existenz dieser Liederbücher gewusst zu haben bzw. dass derartige Lieder jemals gesungen worden seien. Wie glaubhaft sind diese Beteuerungen?

Antisemitismus in den Burschenschaften

Andreas Mölzer, ehemaliger Abgeordneter der FPÖ, bestätigt, die Strophe “Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die sieb’te Million” zu kennen. Auf der einen Seite behauptet er, dass es sich dabei um ein Spottlied auf die NS-Gemeinschaft handle. Auf der anderen Seite erklärt er “Diese Strophe zeigt, dass es in der Nachkriegszeit einen Restbestand an Antisemitismus gegeben hat in den akademischen Verbindungen” [23].

Antisemiten werden wohl kaum Spottlieder auf die NS-Gemeinschaft verfassen, d.h. Mölzers Version vom Spottlied auf die NS-Gemeinschaft kann wohl nur als Versuch einer Verharmlosung gesehen werden. Im Übrigen bedeutet Mölzer Aussage von den antisemitischen Restbeständen, dass Antisemitismus bei den Burschenschaften früher ein verbreitetes Phänomen war. Dieser Befund wird auch von dem ins Exil vertriebenen Stefan Zweig geteilt:

“Was für den Nationalsozialismus die SA-Männer leisteten, die Versammlungen mit Gummiknüppeln zersprengten, Gegner nachts überfielen und zu Boden hieben, besorgten für die Deutschnationalen die Coprsstudenten, die unter dem Schutz der akademischen Immunität einen Prügelterror ohnegleichen etablierten und bei jeder politischen Aktion auf Ruf und Pfiff militärisch organisiert aufmarschierten. Zu sogenannten ‘Burschenschaften’ gruppiert, zerschmissenen Gesichts, versoffen und brutal, beherrschten sie die Aula, weil sie nicht, wie die anderen bloß Bänder und Mützen trugen, sondern mit harten, schweren Stöcken bewehrt waren; unablässig provozierend, hieben sie bald auf die slawischen, bald auf die jüdischen, bald auf die katholischen, die italienischen Studenten ein und trieben die Wehrlosen aus der Universität. Bei jedem ‘Bummel’ (so hieß jener Samstag der Studentenparade) floss Blut. Die Polizei, die dank dem alten Privileg der Universität die Aula nicht betreten durfte, musste von außen tatenlos zusehen, wie diesen feigen Raubbrüder wüteten und durfte sich ausschließlich darauf beschränken, die Verletzten, die blutend von den nationalen Rowdys die Treppe hinab auf die Straße geschleudert wurden, fortzutragen. Wo immer die winzige, aber maulaufreißerische Partei der Deutschnationalen in Österreich was erzwingen wollte, schickte sie diese studentische Sturmtruppe vor.” (Stefan Zweig (1944), Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers [22].)

Dass Antisemitismus in den Burschenschaften kein untergeordnetes Thema war, zeigt eine (nicht vollständige) Liste hochrangiger österreichischer Nationalsozialisten aus nationalen Burschenschaften [17]:

  • Georg von Schönerer (Gothia) Antisemit und Vorbild Hitlers:
  • Ernst Kaltenbrunner (Arminia Graz): wurde als Chef des Reichssicherheitshauptamtes zu einer Zentralfigur der nationalsozialistischen Terror- und Tötungsmaschine.
  • Irmfried Eberl (Germania Innsbruck): war Euthanasiearzt und Kommandant des Vernichtungslagers Treblinka
  • Herrmann Richter (Sängerschaft Scalden): ein SS-Obersturmbannführer, folterte in den Konzentrationslagern Gusen und Dachau Lagerinsassen und entnahm Menschen bei vollem Bewusstsein Organe, um zu beobachten, wie lange sie ohne diese überleben konnten.
  • Walter Pfrimer ( Ostmark Graz ): steirischer Heimwehr-Putschist und späterer Reichstagsabgeordneter
  • Rudolf Neumayer ( Vandalia und Albia Wien) : Finanzminister im ‚Anschlußkabinett‘
  • Hugo Jury (Teutonia Wien): Gauleiter Niederdonau
  • Friedrich Rainer: Gauleiter Salzburg und Kärnten , Ostmark Graz
  • Hubert Freisleben (Brixia Innsbruck) : Bereichsstudentenführer Süd-Ost
  • Eduard Pernkopf (Alemannia Wien): Rektor der Universität Wien 1943 bis 1945

Das bemerkenswerte an dieser Liste ist, dass sich die entsprechenden Verbindungen bis heute nicht von diesen “Alten Herren” distanziert haben. Wenn sich ein Angehöriger einer politischen Partei strafbar macht, erwartet die Öffentlichkeit (mit Recht), dass die entsprechende Partei Konsequenzen zieht. Bei den oben genannten Burschenschaftern handelt es sich sämtlich um hochrangige Nationalsozialisten, dennoch sehen die Burschenschaften keine Notwendigkeit, irgendwelche Konsequenzen zu ziehen.

Aus dieser exemplarischen Liste kann nicht zwingend auf die Haltung der Masse der Burschenschafter geschlossen werden. Eine empirische Untersuchung Innsbrucker Verbindungen ergab einen durchschnittlichen NSDAP-Mitglieder-Anteil von 77,2% im Fall der Burschenschaften, 75,9% bei den Corps und rund 40% im Fall des Österreichischen Cartellverbandes (ÖCV). Bereits vor dem Parteiverbot 1933 war annähernd die Hälfte der buschenschaftlichen Parteigenossen der NSDAP beigetreten, während die bei den katholischen Korporierten nur vereinzelt der Fall war. Außerdem waren 27,4% der NSDAP-Burschenschafter in der SS-organisiert ( Corps : 21 % , ÖCV :7 %) [18].

Nach Bernhard Weidinger stellen die für Innsbrucker Verbindungen erhobenen Zahlen keinen Sonderfall dar, sie sind eher als typisch anzusehen [18]:

“Nach Gehlers Erkenntnissen stellten die völkisch gesinnten Studenten im Allgemeinen unter den früh ( bis 1933 ) eingetretenen Parteimitgliedern ‘einen im Vergleich zu ihrer Gesamtzahl herausragenden Anteil’. Insbesondere die Korporationen hätten sich als ‘Vorhut der Ideen Adolf Hitlers’ hervorgetan und seien , nicht zuletzt aufgrund des hohen Korporierungsgrades der damaligen Studentenschaft , ‘für die Propagierung nationalsozialistischer Ideen mitunter wichtiger als der NSDStB’ geworden.”

Antisemitismus in den Burschenschaften nach 1945

30. 5. 1965: Kundgebung gegen Taras Borodajkewycz

Einer antifaschistischen Kundgebung gegen den durch antisemitische und NS-freundliche Äußerungen auffällig gewordenen Professor an der Wiener Hochschule für Welthandel stellt sich eine vom RFS (Ring Freiheitlicher Studenten) und von militanten Neonazis verstärkte Gegendemonstration entgegen. Unter “Hoch-Auschwitz”-Rufen griffen sie den antifaschistischen Demonstrationszug an. Dabei wurde der Holocaust-Überlebende und Widerstandskämpfer Ernst Kirchweger von einem RFS-Aktivisten und Burschenschafter niedergeschlagen. Kirchweger verstarb an den Folgen dieser Attacke.

1956 – 1988: Terror in Südtirol

Bei 361 Terroranschlägen in Italien kommen 21 Menschen ums Leben und 57 werden verletzt. Maßgeblich getragen wird dieser Terror von den österreichischen Burschenschaften Brixia Innsbruck und der Olympia Wien.

1967: Gründung der NPD

Norbert Burger, der Angehörige der Burschenschaft Olympia, gründet in diesem Jahr die Nationaldemokratische Partei (NPD). Der NPD gehörten zahlreiche weitere Korporierte in leitender Funktion an: Herbert Fritz (Olympia), Nachtmann, Watschinger und Werner Königshofer (alle Brixia), Dieter Stanzel (Danubo-Markomannia Wien).

1987: RFS-Veranstaltung am Wiener Juridikum

Vortragender ist der bundesdeutsche Antisemit Reinhold Oberlercher. Für den Saalschutz sorgen Olympia- und RFS-Aktivisten unter ihnen: Martin Graf.

2000: NPD-Aktivist Frank Rennike

Frank Rennike singt auf einem Liederabend der Olympia. Zu diesem Zeitpunkt läuft gegen ihn ein Verfahren wegen Volksverhetzung. Mehrere seiner Tonträger stehen auf dem deutschen Index.

Rechtsextreme Korporierte

Von den Burschenschaften wird immer wieder versichert, dass es bei ihnen weder rechtsextremes Gedankengut gäbe, noch verbreitet werde. Die folgende (unvollständige) Liste zeigt, dass diese Behauptung nicht stimmt [25].

Olympia[30]

Herbert Fritz, Mitbegründer der NPD [31].

Georg Lobnig, tritt 1992 als Schmierer von “Nur für Arier” Nazi-Parolen in Klagenfurt in Erscheinung, hortet zu Hause Propagandamaterial der NSDAP/PA und 800 Exemplare von Honsiks HALT. 1997 an der Uni Wien Kandidatur bei den ÖH-Wahlen für den RFS. 2008 Mitwirkung im Ausschuss des WKR-Balles.

Sebastian Ploner, laut Recherchen des Nachrichtenmagazins profil (5. 2. 07) hat Sebastian Ploner, RFJ-Vorstandsmitglied in Wien XV, beim neonazistischen Aufruhr-Versand u. a. Kampfschriften wie „White Power“, T-Shirts mit einschlägigen Motiven und NS-Literatur bestellt. Marcus Vetter, Wiener RFJ-Landesobmannstellvertreter und Mitglied im RFJ-Bundesvorstand, hat laut profil beim Aufruhr-Versand mehrere CDs von NS-Bands wie Weiße Wölfe („Unsere Antwort ist Zyklon B“) bestellt.

Walter Asperl, ehemaliger Büroleiter von Martin Graf, Geschäftsführer der 1848 Medienvielfalt Verlags GmbH, die als offizieller Betreiber der FPÖ-nahen Internetplattform unzensuriert.at fungiert.

Harald Stefan, 2001 – 2008 Abgeordneter im Wiener Land- und Gemeinderat, seit 2008 Nationalratsabgeordneter der FPÖ. In einem Spiegelinterview antwortet Stefan auf die Frage nach einer möglichen Isolation Österreichs nach dem Wahlerfolg der FPÖ 2008: “Ich mache einen Sekt auf, wenn der israelische Botschafter nicht mehr in Wien ist.“ Laut Protokoll des Wiener Gemeinderats nach dem Einzug der deutschen Fussballmannschaft in das WM-Finale: “Wir haben 1:0 gewonnen, die Deutschnationalen haben gewonnen!“

Martin Pfeil, Pate eines “heimattreuen Zeltlagers” in Kärnten. Verleiht 2008 im deutschen Magazin blond unter dem Namen „Roland“ seiner Bewunderung für die NPD Ausdruck, “da in dieser Volk und Heimat […] gewahrt würden und sie als einzige Partei die Interessen des Volkes vertrete”.

Teutonia Wien[27]

Gerd Honsik[28], 1961 Anschläge in Wien, 1967 führender Funktionär der NPD, 1976 wegen des Wurfs einer Rauchbombe ins Wiener Künstlerhaus zu 15 Monaten Haft verurteilt. 1986 rief Honsik in seiner Zeitschrift Halt „die arabische Welt“, dazu auf, die „Entlarvung der Judenvergasung als dem größten Propagandaschwindel der Weltgeschichte“ voranzutreiben und ihn dazu finanziell zu unterstützen. 1988 gab Honsik das Buch „Freispruch für Hitler? 37 ungehörte Zeugen wider die Gaskammer“ heraus, in dem er den Holocaust leugnete.

Franz Radl[29], zentrale Figur der militanten Szene in Österreich, Verbindungen zur VAPO

Danubia-Markomannia Wien [33]

Gottfried Küssel, ANR-Aktivist, Mitglied bei NSDAP/AO, Kameradschaft Babenberg, Volksbewegung, Nationale Front, Volkssozialistische Partei. Gründet 1986 die VAPO (Volkstreue Außerparlamentarische Opposition): In diesen Zeitraum fallen auch die in den Medien diskutierten “Paintball-Spiele” mit HC Strache (Vandalia Wien) und weiteren Korporierten. 1987 wird Küssel vom bundesdeutschen Naziführer Michael Kühnen zum “Bereichsleiter Ostmark” ernannt. Im selben Jahr.

Cimbria Wien

Clemens Otten, organisiert 2002 eine Kundgebung gegen die “Wehrmachtsausstellung”. 2003 Organisation eines Gedenkens am Novotny-Grab.

Felix Budin wirkt zusammen mit einem Blood & Honour-Aktivisten als Bannerträger und als Redner am Novotny-Grab. Im Forum des deutschen Wikingerversandes wies ein „Vergaser 88“ die Kameraden an, sich „für Buskoordination bitte bei Kamerad Johann Herzog [zu] melden“. Herzog (Aldania Wien) war damals – wie heute – FPÖ-Stadtrat in Wien.

Aldania [32]

Johann Herzog, Vorstandsmitglied der, vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als rechtsextrem eingestuften, Österreichischen Landsmannschaft sowie stellvertretender Obmann des Vereins zur Pflege des Grabes des Wehrmacht-Kampffliegers und Nationalsozialisten Walter Nowotnys. Mitglied der FPÖ und im Wiener Stadt-, Gemeinderat und Landtag.

Gothia Wien

Gernot Schandl, Landesobmann des Freieitlichen Familienverbandes. Im März 2003 kandidierte er auf der Internet-Politiksimulations-Plattform democracy online today (dol2day) auf der Liste Freiheitlich-Unabhängig-National (FUN) für das virtuelle Amt eines „Internetkanzlers“. Der niedersächsische Verfassungsschutz attestierte der FUN „neonazistische Bestrebungen“ und eine ausgewiesene Nähe zur NPD.

Germania zu Graz

Armin Sippel, FPÖ Klubobmann in Graz, 2009 kolportiert das Wochenmagazin der Falter, dass Sippel im Jahr 2004 beim neonazistischen Aufruhr-Versand eine Bestellung getätigt haben soll, darunter ein Polohemd mit der Aufschrift “Germania – 88”.

Bruna Sudetia [34]

Lutz Weinzinger, ehemaliger Vorsitzender des RFS, 2006-2009 Landesparteibobmann der FPÖ-OÖ, 2006-2010 Nationalratsabgeordneter der FPÖ, Publizist in der Zeitschrift Aula. Weinzinger fiel unter anderem durch die Forderung auf, dass jede „blonde, blauäugige Frau, das heißt jede Frau die Deutsch als Muttersprache hat,“ mindestens drei Kinder gebären sollte, weil „uns sonst die Türkinnen einholen“ würden. Bei einem Vortrag während des oberösterreichischen Landesjugendtages der FPÖ 2009 meinte er, an die Mitglieder des Ringes Freiheitlicher Jugend (RFJ) gewandt, „ihr Jungen müsst […] unsere Heimat, als die Heimat der deutschstämmigen Menschen hier in Österreich, weiter erhalten“. Im Zusammenhang mit der Liederbuchaffäre meinte Weinziger: “Die Liedzeile Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million habe absolut nichts mit der tatsächlichen Judenverfolgung zu tun. Da die Opferbilanz von sechs Millionen Juden abgesichert sei, sei die Rede von der siebten Million folglich ironisch gemeint“.

Arminia Czernowitz zu Linz [26]

ist laut DÖW dem rechtsextremen Milieu zuzuordnen.

Fazit

Der derzeitige Parteiobmann der FPÖ, HC Strache, behauptet, die FPÖ habe mit den Burschenschaften nichts zu tun. Ein paar einfache Recherchen im Internet zeigen schnell, dass dies nicht stimmt. Die Burschenschaften haben die FPÖ zu einem Instrument der Umsetzung ihrer politischen Vorstellungen gemacht. Sie schicken sich an, Angehörige ihrer Korporationen in öffentlichen Ämtern an wichtigen Positionen zu installieren. Eine Minderheit, die 0,04% der Bevölkerung ausmacht, schickt sich an, staatliche Strukturen zu unterwandern und die Kontrolle über den Staat zu übernehmen.

Auch die immer wieder kolportierte Behauptung, die Burschenschaften hätten nichts mit rechtem Gedankengut zu tun, hält einer genaueren Überprüfung nicht stand. Dass in Burschenschaften Nazi-Liederbücher gefunden werden, ist kein Zufall. Angesichts der Entwicklung der Burschenschaften im Nachkriegs-Österreich ist es wenig glaubhaft, dass diese Lieder nicht gesungen wurden. Deutschnationales, völkisches Gedankengut taucht in diesen Korporationen immer wieder auf. Die Burschenschaften machen auch keine Anstalten, ihre Geschichte aufzuarbeiten und sich von ihrem deutsch-nationales Weltbild zu verabschieden. Ein eindeutiges Bekenntnis, ohne wenn und aber, zur Republik Österreich täte dringend not.

Links

[1] Buberlpartie

[2] Gernot Rumpold

[3] Peter Westenthaler

[4] Walter Meischberger

[5] Karl-Heinz Grasser

[6] Karl-Heinz Petritz

[7] Gerald Mikscha

[8] Franz Koloni

[9] Martin Strutz

[10] Josef Moser

[11] Stefan Petzner

[12] So national wird der neue Nationalrat

[13] Die gesammelten Einzelfälle der FPÖ

[14] Burschenschafter in der Regierung, im Parlament, in den Landtagen

[15] Die Burschenschaften innerhalb der FPÖ

[16] Freiheitliche Partei Österreichs

[17] Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft ( Dvorak 1996–2005 )

[18] Studie Michael Gehlers zu Innsbrucker ( Verbindungs-)Studenten in der Zwischenkriegszeit

[18] Bernhard Weidinger: “Im nationalen Abwehrkampf der Grenzlanddeutschen”. Akademische Burschenschaften und Politik in Österreich nach 1945, Böhlau

[19] Die Burschenschaften haben nichts mit der FPÖ zu tun

[20] Stille Machtergreifung der Burschenschafter

[21] Neues Burschenschafter-Liederbuch mit antisemitischen Teten aufgetaucht

[22]  Völkische Verbindungen, Beiträge zum deutschnationalen Korporationsunwesen in Österreich, Herausgeberin: HochschülerInnenschaft an der Universität Wien

[23] Mölzer zu NS-Lied: “Habe diese Strophe auch gehört”

[24] Aufregung um Aussagen von Ex-FPÖ-Chef

[25] Die Olympia und ihre Hausnazis

[26] Informationen zur akademischen Burschenschaft Arminia Czernowitz zu Linz

[27] Rechtsextreme Teutonia gegen “Verrat”

[28] Gerd Honsik

[29] Bei Herrn Radl ist in der Wohnung Hitler allgegenwärtig

[30] Wiener akademische Burschenschaft Olympia

[31] Nationaldemokratische Partei

[32] Jungfreiheitliche im Dunstkreis von Neonazis

[33] “… keine Berührungsängste mit dem Begriff deutsch

[34] Wiener akademische Burschenschaft Bruna Sudetia

 

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One thought on “FPÖ – Von der Buberlpartie zur Burscherlpartie

  1. Kickl: Kein eigener Rechtsextremismusbericht notwendig Die SPÖ machte im Menschenrechtsausschuss auch die Liederbuch-Affäre rund um die deutsch-nationalen Burschenschaften Germania sowie Bruna Sudetia zum Thema.

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