Ein Plädoyer für die g’sunde Watschn

Seit der Neo-Parteiobmann der ÖVP, Sebastian Kurz, den Mathematiker Univ. Prof. Dr. Rudolf Taschner an wählbarer Stelle als Kandidat der ÖVP für die kommenden Nationalratswahlen präsentiert hat, ist sie wieder in aller Munde: Die g’sunde Watschn.

In den Medien, den sozialen wie den unsozialen, gehen die Wogen hoch. Dieses Thema wird, neben anderen Statements von Taschner, mit viel Sym- bzw. Antipathie diskutiert. Bei so viel Aufregung ist es wohl der Mühe wert, das Thema etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

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Fotoquelle: Franz Johann Morgenbesser / Flickr – CC BY-SA 2.0

Wenn ein Mann wie Rudolf Taschner, der es gewohnt ist, streng logisch zu denken und die Richtigkeit von Aussagen mit zwingenden Beweisen zu argumentieren, von der g’sunden Watschn spricht, dann tut er dies sicher nicht aus einer Laune heraus, dann gibt es mit Sicherheit treffliche Gründe dafür, warum eine Watschn g’sund sein kann bzw. g’sund sein soll.

Lassen wir uns also auf ein kleines Experiment ein und versuchen wir die Gedankengänge des Herr Prof. nachzuvollziehen. Wir werden überrascht sein, zu welchen Erkenntnissen uns dieser Versuch bringen wird.

Gesundheitliche Implikationen von Watschn

Wenn man von g’sunden Watschn spricht, ist damit automatisch impliziert, dass Watschen die Eigenschaft zukommt, eine Wirkung auf den Gesundheitszustand des Gewatschten zu haben. Das Attribut g’sund impliziert aber auch, dass es neben der gesunden auch eine ungesunde Wirkung geben kann. Im Sinne einer Versachlichung der Diskussion ist es angebracht, die Wirkung von Watschn auf die Gesundheit von Gewatschten zu quantifizieren und damit messbar zu machen. Die Einführung einer Watschen-Skala oder eines Watschen-Index tut not. Wir schlagen den Taschnerschen Watschenindex (kurz: TWI) vor.

Gibt es die watscheneinfache Watschenformel?

Zur Herleitung einer Formel zur Berechnung des TWI ist Prof. Taschner prädestiniert. Wie kein anderer kann er das mathematische Rüstzeug bereit stellen. Bei der Erstellung dieser Formel müssen aber auch Erkenntnisse aus der Biologie, Medizin und Psychologie berücksichtigt werden. Im Sinne einer möglichst exakten Erfassung des TWI scheint es sinnvoll zu sein, eine interdisziplinäre Forschergruppe zusammenzustellen und diese mit der Erforschung der Problematik zu betrauen.

Die altersspezifische Wirkung von Watschen

Eine wesentliche Fragestellung, die im Rahmen des zu initierenden Watschenprojektes zu untersuchen wäre, ist die immer wieder propagierte altersspezifische Wirkung von Watschen. Watschen wird speziell dann eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt, wenn sie Minderjährigen appliziert werden. Die Wirkung auf adulte Personen scheint hingegen so massiv negativ zu sein, dass deren Anwendung auf diesen Personenkreis zu einem strafrechtlichen Tatbestand erklärt wurde.

Im Watschenprojekt sollte daher unbedingt untersucht werden, ob es die vermutete altersspezifische Wirkung von Watschen wirklich gibt und welcher Mechanismus diese altersspezifische Wirkung bedingt. Falls sich ergeben sollte, dass die vermutete altersspezifische Wirkung eben nur eine vermutete ist, müsste angedacht werden, auch adulte Personen mit Watschen zu therapieren.

Die Watschen-Therapie

Wenn sich im Rahmen des Watschenprojektes die gesundheitsfördernde Wirkung von Watschen bestätigen ließe, müsste umgehend untersucht werden, wie  Watschen zur Therapie genutzt werden können. Dabei muss zunächst abgeklärt werden, welche Arten gesundheitlicher Beeinträchtigung durch Watschen therapiert werden könnten. In der Folge wäre im Rahmen von Feldstudien zu untersuchen, in welcher Dosierung Watschen zur Anwendung kommen sollen. Wobei mit Dosierung gemeint ist,  mit welcher Intensität eine Watsche appliziert werden muss, mit welcher Häufigkeit, ob die Morgenwatsche effizienter wirkt als die Abendwatsche und ob die Verabreichung vor dem Essen oder nach dem Essen erfolgen soll.

Tierversuche scheinen für diese Studien nicht in Frage zu kommen, zumal bislang in keiner wissenschaftlichen Studie untersucht wurde, inwieweit sich die Wirkung von Watschen bei Mensch und Tier gleichen. Damit kommen nur Versuche mit menschlichen Probanden in Frage. Optimal wäre eine in Bezug auf das Alter vollkommen heterogene Testpopulation mit Probanden vom Säuglings- bis zum Greisenalter.

Nebenwirkungen

Wie bei allen Therapieformen ist auch bei der Watschentherapie mit Nebenwirkungen zu rechnen. Es kann also sein, dass die therapeutische Watsche Wirkungen zeigt, wie sie von der gemeinen Watsche bekannt sind. Solange die therapeutische Wirkung überwiegt, kann die Nebenwirkung wahrscheinlich in Kauf genommen werden.

Die Therapie

Nachdem die Verabreichung therapeutischer Watschen nicht frei von Nebenwirkungen sein wird, kann diese Verabreichung nur durch entsprechend geschultes Personal erfolgen. Für das neu zu definierende Berufsbild des diplomierten Watschenmannes ist ein detailliertes Ausbildungs- und Trainingsprogramm zu erstellen. Diplome dürfen nur von staatlich autorisierten Prüfern verliehen werden.

Die Watsche auf Krankenschein

Nach Zulassung der Watschentherapie ist in einer umfassenden Evaluierung ihre Wirksamkeit zu verifizieren. Kann die Wirksamkeit bestätigt werden, muss diese Therapieform selbstverständlich von den Sozialversicherungsanstalten in deren Leistungskataloge übernommen werden.

Die präventive Wirkung von Watschen

Bei dem im Rahmen des Watschenprojektes durchgeführten Feldversuch könnte gleichzeitig untersucht werden,ob Watschen auch vorbeugend wirken. Kann durch regelmäßiges Abwatschen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung vorgebeugt werden? Wie oft müsste Gewatscht werden? Täglich, wöchentlich oder reicht ein Watschen in homöophatischer Dosierung?

Die mentale Wirkung von Watschen

In der Ausgabe der Presse vom 26.1.2012 schreibt Rudolf Taschner in einer Kolumne: „Auf der einen Seite das Gewitter mit dem kurzen, reinigenden Schmerz, verbunden mit dem Wissen, dass gleich danach die Sonne wieder scheinen würde. Wohl auch deshalb, weil die Eltern das Entgleiten ihrer Hand sofort danach selbst insgeheim bedauerten. Und auf der anderen Seite die lang anhaltende Düsternis der bösen, peinigenden Unwetterstimmung, die man nicht vertreiben kann und bei der kein Ende abzusehen ist. Beides erlebt: kein Vergleich!

Da böte sich doch an, diese reinigende Wirkung überall dort zu nutzen, wo böse, peinigende, nicht zu vertreibende, nicht enden wollende  Unwetterstimmung herrscht. Wo stellt sich diese Unwetterstimmung mit vorhersehbarer Regelmäßigkeit ein? In koalitionär geführten Regierungen! Welch segensreiche, reinigende Wirkung könnte dort die g’sunde Watschn entfalten. Stellt sich nur die Frage, wer sollte diese Watschen verabreichen? Wie wäre es, wenn der Bundespräsident Kanzler und Vizekanzler regelmäßig abwatscht? Sollte die Forderung nach der g’sunden Watschen ein Minderheitenrecht sein? Außer Streit dürfte die g’sunde Watschen wohl stehen, wenn sie im Rahmen eines Volksbegehrens eingefordert wird.

Dringliche Anfrage an den derzeitigen Obmann der ÖVP

Wie stehen Sie Herr Kurz zur Frage der Nutzung g’sunder Watschen im Gesundheitswesen und in der Politik?

Kommt die g’sunde Watschn auf Krankenschein?

Kommt die g’sunde Watschen im Parlament bzw. in den Landtagen und Gemeinderäten?

Wann könnte damit begonnen werden?

Wer sollte der oberste Abwatscher der Nation sein?

Wird, im Sinne der Gleichbehandlung, die g’sunde Watschn auch für Erwachsene kommen?

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