Geld ruiniert die Welt

Unser Geld- und Wirtschaftssystem erscheint uns unverzichtbar. Einerseits erscheint der freie Markt als Segen denn er hat uns Wohlstand gebracht, andererseits gibt da eine
Kehrseite. Die freien Märkte führen zu ungleich verteilten Vermögen und zu periodisch wiederkehrenden Krisen. In den großen Religionen, dem Judentum, dem Christentum und dem Islam gab bzw. gibt es heute noch ein Zinsverbot.

Die Funktion des Geldes

Geld fungiert als universelles Tauschmittel, es ermöglicht einerseits das Wirtschaften und treibt andererseits die Wirtschaft an. Geld hat magische Eigenschaften, es kann aus dem Nichts geschaffen werden, es kann ganz einfach nur durch verrinnende Zeit an Wert gewinnen bzw. an Wert verlieren oder auch völlig wertlos werden. Noch mysteriöser ist die Fähigkeit von Geld, dass Scheine aus Papier in der Lage sind, Werte zu repräsentieren, die in keiner Relation zum materiellen Wert des Papierstückes stehen.

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Dann gibt es da noch eine erstaunliche Fähigkeit von Geld: Es kann „arbeiten“ und sich dadurch vermehren!

Wie entsteht Geld

Entsprechend der gängigen Meinung wird unser Geld von Notenbanken gedruckt und sämtliches Geld, das in Umlauf ist, stammt aus deren Notenpressen. Dabei sollte der Wert des Geldes durch feste Werte, vornehmlich Gold, gedeckt sein. In den meisten Staaten war dies auch der Fall. So bedeutet etwa Golddeckung, dass der Staat seinen Bürgern garantiert, Geldbeträge jederzeit zu einem festgesetzten Kurs in Gold tauschen zu können. In den USA wurde jedem garantiert, 35 Dollar gegen eine Feinunze Gold eintauschen zu können.

Am 15. August 1971 hoben die USA unter der Führung von Richard Nixon die Goldbindung des Dollar auf. In Folge der exorbitanten Kosten für die Kriege in Korea und Vietnam waren zu viele Dollars in Umlauf gelangt. Das Vertrauen in den Dollar als Leitwährung schwand, die Notenbanken tauschten Dollars in großem Stil in Gold. Es drohte der Ausverkauf der US-Goldreserven, Nixon musste die Notbremse ziehen. Neben der Aufgabe der Goldbindung strebte er eine Abwertung des Dollar gegenüber den wichtigsten europäischen Währungen und dem japanischen Yen an. Zwei Jahre später wurden schließlich alle Wechselkurse zum Dollar freigeben. Damit wurde die Leitwährung zu einer reinen Papierwährung, die beliebig vermehrt werden kann.

Banken schaffen Geld aus dem Nichts

Mit der Aufhebung des Goldstandards wurde für die Geschäftsbanken das Tor zur Geldschöpfung geöffnet. Ähnlich wie die Zentralbanken können Geschäftsbanken Geld schaffen, einfach dadurch, dass sie Kredite vergeben. Wenn ein Kunde von seiner Bank einen Kredit gewährt bekommt, werden zweierlei Dinge geschaffen: Einerseits Geld, das in den Wirtschaftskreislauf fließen kann und andererseits Schulden.

Guthaben und Schulden verhalten sich wie Protonen und Elektronen. Beide haben gleich große elektrische Ladungen, allerdings mit unterschiedlicher Polarität. In einem vollständigen Atom gibt es gleich viele Protonen wie Elektronen. Die elektrischen Ladungen der Protonen und der Elektronen neutralisieren sich gegenseitig, der Atomkern ist nach außen elektrisch neutral.

Wird nun ein Elektron aus der Hülle des Atoms entfernt, ist das Atom elektrisch positiv geladen, während das freie Elektron Träger einer negativen elektrischen Ladung ist. Ähnlich wie bei der Geldschöpfung wurde auch hier etwas aus dem Nichts erzeugt, nämlich elektrische Ladung.

Im Unterschied zur Geldschöpfung verändern sich die elektrischen Ladungen nicht. Wird das fehlende Elektron vom Atom wieder  aufgenommen ist der Grundzustand wieder hergestellt, die elektrischen Ladungen neutralisieren sich, das Atom hat wieder die elektrische Ladung null.

Ein Problem der Geldschöpfung besteht nun darum, dass nach einer festgesetzten Zeit mehr Geld zurückgezahlt werden muss, als zu Beginn aufgenommen wurde. Der zusätzlich zum ausgeborgten Betrag zurückzuzahlende Geldbetrag, der Zins, wurde aber niemals geschaffen. Die Bank möchte von ihrem Kunden mehr Geld zurück haben, als sie ihm geborgt hat. Umgelegt auf das Atommodell würde dies bedeuten, dass nach der Entfernung eines Elektrons aus der Hülle die Ladung der Protonen stetig anwachsen würde. Nachdem das Atom ein Elektron aufgenommen hat, wäre es elektrisch nicht mehr neutral. Um die gestiegene elektrische Ladung des Atomkerns zu neutralisieren, müsste das Atom aus der Umgebung zusätzliche negative elektrische Ladung aufnehmen.

In der Natur können Elektronen nicht einfach aus dem Nichts generiert werden. Hierin unterscheidet sich das Geldwesen. Der durch den geforderten Zins entstandene Differenzbetrag muss durch die Vergabe eines weiteren Kredits geschöpft werden. Damit wird der Prozess der Anhäufung von Schulden perpetuiert, was dazu führt, dass auf der einen Seite die von Banken ausgegebene Geldmenge und auf der anderen Seite die Schulden stetig anwachsen. Die Schulden allerdings wachsen stärker als die Geldmenge, d.h. das Geldsystem erzeugt unter dem Strich eines: Schulden.

Geld schafft Verteilungsprobleme

Betrachten wir zwei Arbeitnehmer. Arbeitnehmer A steigt in das Berufsleben mit einem Monatsgehalt von 1000€ ein. Arbeitnehmer B erhält wegen seiner besseren Qualifikationen ein Monatsgehalt von 2000€. Ihre Gehälter werden jedes Jahr um je 3%erhöht.

Betrachten wir die Gehälter der beiden Arbeitnehmer nach 40 Jahren, zeigt sich, dass die Differenz zwischen den beiden Gehältern von 1000€ auf 3260€ angewachsen ist. Dieser Effekt ist durch das exponentielle Wachstum der Gehälter bedingt.

Exponentielles Wachstum bedeutet, dass höhere Anfangsgehälter schneller wachsen als niedrige Einkommen. Die Schere zwischen den beiden Gehältern geht mit jeder Gehaltserhöhung immer weiter auseinander. Dieses Phänomen gilt nicht nur für Einkommen, es wirkt sich in gleicher Weise bei Bankguthaben bzw. bei Schulden aus. Exponentielles Wachstum begünstigt die Vermögenden und benachteiligt jene, die über geringe Vermögen verfügen.

Mit diesem Effekt lässt sich die aktuelle Vermögensverteilung in Österreich, aber auch in anderen Industriestaaten erklären. Die 20% der vermögendsten Österreicher verfügen über 80% der Vermögen. Die restlichen 80% der Bevölkerung müssen sich 20% der Vermögen teilen. Wenn durch die Politik nicht gegengesteuert wird, wird sich diese Verteilung durch den Effekt des exponentiellen Wachstums weiter in Richtung der Vermögenden verschieben.

Neben diesem der Natur des exponentiellen Wachstums innewohnenden Effekt gibt es einen weiteren Effekt, der zur Vergrößerung der Kluft zwischen Arm und Reich beiträgt.

Geld bestraft die Armen

Die 20% der Vermögendsten haben mehr Geld zur Verfügung, als sie für den täglichen Bedarf benötigen. Sie sind in der Lage, überschüssiges Geld anzulegen. Sie stellen ihr Geld, gegen Zinsen, Banken zur Verfügung, die dieses Geld wiederum an Kreditnehmer verborgen. Mit den von den Kreditnehmern geforderten Zinsen müssen die Zinsen der Anleger und die Kosten der Banken abgedeckt werden. Geldanlage wird zum arbeitslosen Einkommen.

Die 80% wenig Vermögenden haben entweder kein oder zu wenig Geld um es anzulegen zu können. Im Gegenteil, für größere Anschaffungen sind sie auf die Vergabe von Krediten angewiesen. Nicht nur, dass sie kaum Möglichkeiten haben, durch Verborgen von Geld Zinsen zu lukrieren, sind sie es, die durch das Bezahlen von Kreditzinsen die Einkommen der Vermögenden finanzieren.

Geldverleih gegen Zinsen führt zwangsläufig zur Akkumulierung von Kapital in den Händen weniger Vermögender. Diese Akkumulierung von Kapital hat gravierende Auswirkungen auf die Volkswirtschaft.

Verkehrte Welt der Zinsen

Wir sind es gewohnt, dass jene, die ihr Geld auf Sparkonten legen, mit der Bezahlung von Zinsen belohnt werden und innovative Firmen durch ihre Investitionen diese Zinsen erwirtschaften müssen. De facto werden also jene belohnt, die ihr Geld dadurch dem Wirtschfaftskreislauf entziehen, dass sie es in Banken lagern. Andererseits sind es die Investoren, die durch ihre Investitionen geparktes Geld der Wirtschaft wieder zuführen, dafür das Risiko von Fehlinvestitionen tragen und dafür auch noch Zinsen zahlen müssen.

Zinsen belasten die Wirtschaft

Im Jahr 2015 betrug das BIP Österreichs 339,9 Mrd. € und die Sparguthaben österreichischer Haushalte belief sich auf 591,1 Mrd. €.Unter der Annahme, dass diese Sparguthaben mit 3% verzinst werden, müssten 17,733 Mrd. € an Zinsen erwirtschaftet werden. Dies entspricht 5,22% des BIP, d.h. 5,2% der Wirtschaftsleistung müssen dafür erbracht werden, die Zinsen von Sparguthaben zu finanzieren.

Stagniert die Wirtschaftsleistung, wächst der Anteil am BIP, der für Zinsen erwirtschaftet werden muss, exponentiell an. Um diesen Effekt zu vermeiden, muss das BIP jährlich mindestens um den den Sparern versprochenen Zinssatz wachsen. Ein zinsbasiertes Wirtschaftssystem ist zu ewigem und sich exponentiell beschleunigendem Wachstum verdammt.

Zinsen als Selbstzweck

Ein Wirtschaftsmodell, das darauf basiert, dass die exponentiell anwachsenden Gewinne der Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft erwirtschaften müssen, stößt zwangsläufig an Grenzen. Zur Finanzierung der stetig steigenden Zinsgewinne muss die Realwirtschaft ebenfalls exponentiell wachsen. In einer begrenzten Welt ist unbegrenztes Wachstum allerdings nicht möglich. Zu Beginn der 80-er Jahre sinken die Wachstumsraten der wichtigsten Industriestaaten im 10-Jahresdurchschnitt unter 3% und sie sinken seither tendenziell weiter.

Mit derartig niedrigen Wachstumsraten können die von den Anlegern erwarteten Renditen nicht erwirtschaftet werden. Durch Liberalisierung, Deregulierung, Globalisierung und Produktivitätssteigerung sollten die Erträge für Anleger wieder lukrativ werden. Trotz all dieser Maßnahmen sinken die Wachstumsraten weiter.

Alles was durch Deregulierung, Globalisierung und Rationalisierung erreicht wurde, ist, dass die produzierende Industrie weitgehend ausgelagert oder automatisiert wurde, dass Industrieregionen ihre Leitbetriebe und damit ihre Arbeitgeber verloren haben. Die Arbeitslosenzahlen steigen, die Realeinkommen der Unselbständigen sinken, der Mittelklasse droht der soziale Abstieg. Die staatlichen Haushaltsdefizite explodieren, die Regierungen versuchen durch Sparmaßnahmen gegenzusteuern, die sozialen Leistungen werden gekürzt, das politische Klima wird rauer und radikalisiert sich zusehends.

Die Entkoppelung von Real- und Finanzwirtschaft

Eine Folge der, vor allem von Reagan und Thatcher vorangetriebenen Liberalisierung der Märkte war die Verselbständigung der Finanzmärkte. Anleger suchen mehr und mehr an den Börsen dieser Welt jene Renditen zu erzielen, die für sie in der Realwirtschaft nicht mehr erreichbar sind.

Dies führt zu der paradoxen Situation, dass die Kurse an den Börsen weit schneller steigen, als die Realwirtschaft wächst, was ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass Aktienkurse nicht mehr dem realen Wert von Betrieben entsprechen.

Errechnet man sich aus den vorliegenden Daten den gemittelten Wachstumsfaktor für den Dow Jones vom Jahr 1975 bis zur Bankenkrise im Jahr 2007 (orange Kurve in der Abbildung oben), kommt man auf ein jährliches Wachstum von 8,96%. Im Jahr 2007 kommt es, bedingt durch die Bankenkrise, zu einem kurzen Einbruch. Ab 2008 setzt sich die rasante Entwicklung des Dow Jones mit einem Wachstumsfaktor von 12,5% noch stärker fort als vor der Krise.

Bemerkenswert ist diese Entwicklung, wenn man dazu die Entwicklung der Wirtschaftswachstumsraten betrachtet. Lag das Wachstum in den USA in den 70-er Jahren noch über 3,5 %, ist die Wachstumsrate seitdem jährlich im Schnitt um 1,89% gefallen und liegt aktuell bei 2,1%.

Wie passen sinkende Wachstumsraten mit explodierenden Kursen an den Börsen zusammen? Die Antwort lautet: Spekulation.

Geschäftsmodell Spekulation

Spekulation ist eine Geschäftstätigkeit, die darauf abzielt Gewinne aus Preisveränderungen zu erzielen. Alle möglichen Waren und Güter können zum Gegenstand dieser Geschäftstätigkeit werden: Rohstoffe, Nahrungsmittel, Währungen, Aktien, Währungen oder auch Firmen.

Neben dem direkten Handel mit Aktien und Wertpapieren gibt es die Möglichkeit auf Kursentwicklungen zu wetten ohne die Wertpapiere auf die gewettet wird auch wirklich zu besitzen. Derartige Finanzprodukte werden als Derivate bezeichnet.

Derivate

Ein Derivat ist ein Finanzprodukt, dessen Preis und Entwicklung vom Preis eines anderen Finanzproduktes, zum Beispiel einer Aktie (= der sogenannte Basiswert), abhängt. Mit einem Derivat spekuliert man darauf, ob der Preis eines Produktes in Zukunft steigen oder fallen wird. Derivate ermöglichen daher die Trennung von dinglicher Inhaberschaft am Basiswert und Partizipation an dessen Marktchancen und -risiken.

Das, was Derivate für Anleger so attraktiv erscheinen lässt sind die deutlich höheren Gewinnmöglichkeiten, die durch die sogenannte Hebelwirkung noch gesteigert werden können. Derivate haben aber auf der anderen Seite ein deutlich erhöhtes Verlustrisiko, das, bedingt durch die Hebelwirkung, bis zum Totalverlust führen kann.

Derivate hebeln die Wirtschaft aus

Nach Schätzungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beträgt das Volumen der Derivate, die direkt mit dem Euro zusammenhängen, 26,45 Billionen US-Dollar. Da wirken die 1,1 Billionen Euro der EZB, die im Rahmen der Griechenlandkrise an Banken vergeben werden, wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Das weltweit gehandelte Volumen von Derivaten wird auf ~710 Billionen US-Dollar geschätzt. Im Jahr 2016 betrug das weltweite Bruttoinlandsprodukt 74 Billionen US-Dollar. Das Volumen der Derivatblase entspricht also dem Zehnfachen der weltweiten Wirtschaftsleistung. Der verwetteten Geldmenge stehen keine realen Werte gegenüber, sie wurde nicht erwirtschaftet, sie wurde aus Schulden geschöpft!

Der ungeheure Berg an Derivaten erzeugt einen enormen Zinsdruck. Die folgende Tabelle zeigt, welchen Anteil die durch Derivate generierten Zinsforderungen am globalen Bruttoinlandsprodukt (GPD) ausmacht.

 

Bei einem Zinssatz von 10,42% muss das gesamte erwirtschaftete Kapital für die Zinsforderungen der Derivate aufgewendet werden. Selbst bei einem für Derivate niedrigen Zinssatz von 5% müssen immer noch ~50% der Wirtschaftsleitung für die Zinsforderungen aufgewendet werden. Die Situation wird insgesamt noch dadurch verschärft, dass die Zinsforderungen stärker steigen als das Bruttoinlandsprodukt.

Fazit

Der Handel mit Derivaten ist außer Kontrolle. Anstatt der Realwirtschaft Geld für Investitionen zur Verfügung zu stellen, entzieht der Handel mit Derivaten der Realwirtschaft die nötigen finanziellen Mittel. Es sind nicht primär die Sozialabgaben und Steuern, die das Wachstum bremsen, es ist der Handel mit Derivaten, der der Realwirtschaft immer größer werdende Geldmengen entzieht.

Das weltweite Finanzsystem befindet sich auf einem Crashkurs. Es wird zwangsläufig zusammenbrechen, die Frage ist nur, wann dies der Fall sein wird. Die Realwirtschaft kann immer weniger die für die Derivate nötigen Erträge erwirtschaften. Aktuell versucht man durch Bankenrettungen und durch ungehemmtes Drucken von Geld dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Versuche, die letztendlich vergebens sein werden.

Zum Abschluss noch eine Rechnung: Nähme man 6% des GPD, könnte man jedem Bürger dieser Erde pro Monat 630$ an „Grundeinkommen“ bezahlen. Diese Form von Mindestsicherung wäre der Realwirtschaft weit dienlicher, als die Bedienung von Zinsforderungen der Händlern von Derivaten.

 

 

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