Warum Muslime gegen die Verschleierung sein sollten

Die zentrale Passage des Korans, aus welcher die Verschleierung der Frau durch ein Kopftuch als religiöse Pflicht abgeleitet wird, findet sich in Sure 24:31 [Quelle: Hidschab]. Darin heißt es:

Und sag den gläubigen Frauen, sie sollen (statt jemanden anzustarren, lieber) ihre Augen niederschlagen, und ihre Keuschheit bewahren, den Schmuck, den sie (am Körper) tragen, nicht offen zeigen, soweit er nicht (normalerweise) sichtbar ist, ihren Schal sich über den (vom Halsausschnitt nach vorne heruntergehenden) Schlitz (des Kleides) ziehen und den Schmuck, den sie (am Körper) tragen, niemandem offen zeigen, außer ihrem Mann, ihrem Vater, ihrem Schwiegervater, ihren Söhnen, ihren Stiefsöhnen, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und ihrer Schwestern, ihren Frauen, ihren Sklavinnen, den männlichen Bediensteten, die keinen Geschlechtstrieb (mehr) haben, und den Kindern, die noch nichts von weiblichen Geschlechtsteilen wissen. Und sie sollen nicht mit ihren Beinen aneinanderschlagen und damit auf den Schmuck aufmerksam machen, den sie (durch die Kleidung) verborgen (an ihnen) tragen. Und wendet euch allesamt (reumütig) wieder Allah zu, ihr Gläubigen Vielleicht wird es euch (dann) wohl ergehen.“

Die Verschleierung aus der Sicht der Frau

Von Kritikern der Verschleierungspflicht, vor allem von feministischer Seite, wird die Verschleierung als Symbol der Unterdrückung der Frau durch den Mann gesehen.

Mann und Frau als komplementäre Geschlechter

Das Verschleierungsgebot ist freilich nur ein Aspekt der Problematik, wie die Stellung der Frau im Islam defineirt wird.

Aus dem biologischen Umstand, dass Männer und Frauen zwei unterschiedliche Geschlechter darstellen, wird abgeleitet, dass sie zueinander komplementär seien, dass sie einander ergänzten so wie zwei Hälften eines Ganzen. Die unterschiedliche Biologie von Mann und Frau habe auch eine unterschiedliche Gemütsbeschaffenheit zur Folge, die wiederum Mann und Frau unterschiedliche Rollen zuweisen, wie z.B.

  • Männer gehen zur Arbeit außer Haus, während Frauen angehalten werden zuhause zu bleiben, die Frau wird primär als Mutter gesehen. Es ist die Frau, die schwanger werden kann, ein Kind zur Welt bringen und stillen kann.
  • Die der Frau zugeschriebene fürsorgliche und selbstaufopfernde Gemütsbeschaffenheit ist dazu angelegt, Kinder großzuziehen und den Haushalt zu führen. „Eine Frau muss schon eine große und edle Rolle als Mutter einer neuen Generation spielen, eine Rolle, dessen Ehre kein Mann in Anspruch nehmen kann“ (Rechte und Plichten der Frau im Islam).
  • Frauen haben den Hidschab zu tragen
  • Söhne erhalten einen größeren Anteil einer Erbschaft als Töchter
  • Männer können Herrscher werden, Frauen nicht.

Die Vorstellung, dass Frauen und Männer nicht gleichberechtigt sein sollen, steht in absolutem Gegensatz zur Entwicklung aufgeklärter, säkularisierter Gesellschaften.

Die Verschleierung aus der Sicht des Mannes

Für gläubige muslimische Männer mag ein Festhalten am Verschleierungsgebot unabdingbar und eine Änderung der Stellung der Frau als unmöglich erscheinen, doch sollten sie den folgenden Aspekt betrachten:

Wer auch immer das Verschleierungsgebot erlassen hat, er muss sich fragen lassen, welches Männerbild er hat. Welche Männer müssen das sein, wenn Frauen ständig Gefahr laufen von ihnen belästigt zu werden und sie sich vor ihren Zudringlichkeiten nur dadurch schützen können, dass sie ihr Äußeres verhüllen. Bei dieser Sicht der Dinge werden Männer auf triebgesteuerte Wesen reduziert, für die Frauen beliebig verfügbare Lustobjekte darstellen.

Es wirkt befremdlich, wenn das Verschleierungsgebot als ultimative Lösung zur Entschärfung der tickenden Sexzeitbombe Mann gesehen wird. Damit wird unterstellt, dass Männer einfach so sind und sich daran nichts ändern ließe. Männern sei es unmöglich, ihren Sexualtrieb unter Kontrolle zu haben.

Ausgerechnet diese Männer werden dann im Bild von Mann und Frau als komplementäre Geschlechter als den Frauen übergeordnet angesehen. Ein Paradoxon!

Fazit

Das Verschleierungsgebot macht Männer zu schwachen, triebgesteuerten Wesen, die unfähig scheinen, ihr Triebleben unter Kontrolle zu bringen. Die einzigen, die dies könnten, seien die Frauen und zwar durch Verhüllung ihrer Körper.

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