2016 – alles wird besser?

Statistik ist: Wenn ein Jäger einmal links und einmal rechts an einem Reh vorbei schießt, ist es statistisch gesehen tot.

In der Ausgabe vom 2.2.2016 verhieß uns Uwe Sommersguter in seinem Leitartikel in der Kleinen Zeitung, dass unsere Welt eine zusehends bessere wird. Dabei stützt er sich auf Aussagen von Max Roser, einem an der Universität Oxford lehrenden Ökonom. Er war bereits am 30.12.2015 bei Armin Wolf in der ZIB 2 zu Gast. Dort erklärte er, warum unsere Welt immer besser wird.

Max Roser argumentiert ausgiebig mit Statistiken. Damit sind wir bei dem oben erwähnten Jäger, der, zumindest statistisch gesehen, ein Reh auch dann erfolgreich erlegt, wenn er daneben schießt.

Aus geeigneten Statistiken läßt sich herauslesen, dass um 1820 etwa 80% der Weltbevölkerung in Armut lebte, während dies heute auf kaum 20% zutrifft. So gesehen eine durchaus positive Entwicklung.

Wir leben auf Kosten der kommenden Generationen

Freilich läßt man bei dieser Betrachtungsweise außer Acht, dass diese Entwicklung auf Kosten der kommenden Generationen geht. Dass unser Lebensstil für Österreich einen ökologischen Fußabdruck von 4,9 ha/Bewohner bedingt. Der ökologische Fußabdruck der armen Länder beträgt hingegen nur 0,8 ha/Bewohner. Der Durchschnitt über alle Länder der Erde gerechnet liegt über 2 ha/Bewohner. Herr Roser blendet in seinen Betrachtungen aus, dass weniger Armut in der Welt bedeutet, dass sich immer mehr Menschen unseren Lebensstil zu eigen machen. Die Folgen sind Raubbau an den Ressourcen dieses Planeten und Klimawandel mit all seinen Folgen.

Unser Lebensstil mag zwar für einen Ökonomen wie Herrn Roser ein in alle Zukunft fortschreibbares Modell sein. In einer realen Welt stößt unser Wirtschaftsmodell und damit verbunden das, was wir unter Wohlstand verstehen, an reale Grenzen. Unser Wirtschaftsmodell ist nicht nachhaltig und die Krisen und Konflikte der Zukunft zeichnen sich bereits ab. In diesen Krisen wird es verstärkt um Ressourcen, um Wasser, Energie, landwirtschaftlich nutzbaren Boden, klimatisch gemäßigte Regionen und um durch ein verändertes Klima bedingte Migrationsbewegungen gehen. Klimaänderungen werden auch Bewohner entwickelter Industriestaaten in die Migration treiben. All diese Änderungen werden mit ziemlicher Sicherheit nicht firedlich ablaufen.

Nachhaltiges Wirtschaften ist gefragt

Unsere Welt kann nur dann wirklich besser werden, wenn es gelingt, den ökologischen Fußabdruck für alle Bewohner dieser Erde im Durchschnitt auf 1 ha/Bewohner zu senken. Es sieht allerdings nicht so aus, als ob irgend jemand eine Vorstellung davon hätte, wie dieses Ziel erreicht werden könnte. Es darf auch angenommen werden, dass sich der Wille, dieses Ziel erreichen zu wollen, speziell bei Ökonomen wie Herrn Roser, in sehr engen Grenzen hält.

Herr Roser kann sich also darüber freuen, dass sich die Welt zum Besseren gewandelt hat. Unter Einbeziehung von nur wenigen weiteren Kriterien sieht der Befund für diese Welt allerdings nicht ganz so rosig aus. Die Zukunft unserer Welt sähe deutlich rosiger aus, wenn Ökonomen wie Herr Roser begännen, darüber nachzudenken, wie ein nachhaltiges Wirtschaften aussehen könnte.

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