Die Zaunkönigin

Nun ist es wirklich passiert. Österreichs Bundesregierung hat einen Vogel. In einer kafkaesken Verwandlung avancierte die Bundesministerin für Inneres durch ihre Vorliebe für Zäune zur Königin der Zäune, zur Zaunkönigin. Freilich kommt ihr das Wort Zaun nicht gar so leicht über die Lippen, sie spricht lieber von baulichen Maßnahmen. Folglich scheint es konsequent, anstelle von einer Zaunkönigin eher von einer Bauliche-Maßnahmen-Imperatorin, kurz B.M.I zu sprechen.

Die Königin der Zäune

Der Zaunkönig gilt als schlau und listig und schlau und listig versucht die BM.I uns einen Zaun als bauliche Maßnahme schmackhaft zu machen. „Was ist eigentlich so verwerflich an einem Zaun? Hat doch jedes Haus hat einen Gartenzaun.“ zwitschert die kleine Zaunkönigin und nun soll das Haus Österreich eben auch so einen schnuckeligen Zaun bekommen. Die Ausformung ist noch nicht geklärt, ob Stacheldraht- oder Maschendrahtzaun, ober beides.

Zäune haben eine wirklich frappierende Eigenschaft, sie sind kraft einer geheimnisvollen Fähigkeit in der Lage, das umzäunte Gelände vor unbefugtem Zutritt von außen zu schützen.

Bei genauer Betrachtung erkennen wir, dass diese magische Kraft sehr selektiv wirkt. Ein Zaun hält jene fern, die ihn respektieren, die seine Blockadefunktion anerkennen, die sich an Regeln und Gesetze halten. All jene, die dies nicht tun, die sich nicht an Gesetze halten, die Regeln brechen, vermag ein Zaun nicht daran hindern ihn zu überwinden.

Vielleicht ist es diese Fähigkeit zur Selektion, die den Einsatz eines Zaunes an Österreichs Grenzen für die Zaunkönigin so attraktiv macht. Das Kalkül könnte sein, dass der Grenzzaun die „guten, braven“ Flüchtlinge abhalten wird, die Grenze zu überscheiten. Jene, die den Zaun überwinden, sind die „bösen, schlimmen“ Flüchtlinge. So teilt diese bauliche Maßnahme wie ein Filter die Menge der ankommenden Flüchtlinge in eleganter Manier in die Anständigen und jene, die sich in Österreich einen Asylstatus erschwindeln möchten. Erstere werden von der baulichen Maßnahme draußen gehalten. Letzteren muss, da sie ja die bauliche Maßnahme in illegaler Weise überwunden haben, der Asylstatus verweigert werden. Sie müssen daher unmittelbar abgeschoben werden. So sorgt der Zaun auf geniale Weise dafür, dass Österreich frei von Flüchtlingen bleibt.

Tu felix Austria aedificare sepem!

 

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