Brauchen wir einen Eisernen Vorhang?

Der Chef der FPÖ, Heinz Christian Strache, besucht am 4.11.2015 die Sammelstelle für Flüchtlinge am Grenzübergang in Spielfeld. Er möchte sich vor Ort ein Bild von der Lage machen. Neben den üblichen Statements sagt er in die Mikrofone der versammelten Journalisten auch Folgendes:

Grenzzäune waren auch in der Zeit eines Europas, wo es einen Ost-West-Konflikt gegeben hat, eine Sowjetunion gegeben hat, na selbstverständlich auch möglich, und haben die Grenzen geschützt. Wenn man heute so tut, als wären Zäune und Grenzkontrollen nicht leistbar, dann will man ja die Menschen für dumm verkaufen.“

Was möchte Herr Strache uns damit eigentlich sagen?

Jener Zaun, der 25 Jahre lang mitten durch Europa verlief und als Eiserner Vorhang bekannt war, hat unsere Grenzen geschützt? Die Herrschenden in den sozialistischen Volksdemokratien und Bauernstaaten haben für uns Westeuropäer einen Eisernen Vorhang gebaut um uns zu schützen? Vor wem eigentlich? Vor den Volksgenossen, die in die Staaten der Klassenfeinde einwandern wollten um durch ihre massenhafte Zuwanderung das kapitalistische System zu Fall zu bringen? Oder war es vielleicht doch so, wie es uns die Propagandisten der sozailistischen Volksdemokratien glauben machen wollten, dass dieser Vorhang uns, den Klassenfeind daran hindern sollte, in das Arbeiterparadies einzuwandern?

Oder war es doch ganz anders?

Die Bürger der sozialistischen Volksrepubliken fanden ihre Arbeiterparadiese und Bauernstaaten so attraktiv, dass sie in immer größerem Ausmass diese Paradiese verlassen und  zum Klassenfeind überlaufen wollten. Genau davor mussten sich die obersten Volksgenossen schützen. Der Eiserne Vorhang war ein probates Mittel den Exodus zu verhindern. Um diesen Vorhang zu errichten, wurden Bürger teilweise unter Zwang umgesiedelt. Der Versuch, diesen Vorhang zu überwinden kostete viele Bürger das Leben.

So einen Zaun möchte nun Herr Strache errichtet wissen! Einen Grenzzaun mit Todesstreifen! Mit Schießbefehl! Auf Menschen, die aus einem Land flüchten, in dem sie wählen können, durch Giftgas zu sterben oder von Terrorbanden ermordet zu werden!

All dies wird nötig sein, wenn der Zaun das tun soll, wofür er errichtet wurde: Verhindern, dass Menschen die Grenze überschreiten. Österreichische Grenzpolizisten oder Soldaten werden das tun, was DDR-Staatspolizisten getan haben. Sie werden auf Menschen schießen deren Vergehen einzig darin besteht, aus einem Land zu flüchten in dem man nach ihrem Leben trachtet.

Herr Strache sei noch ans Herz gelegt die jüngere Geschichte Europas etwas genauer zu studieren. Dann wird er vielleicht feststellen, dass die Errichter des Eisernen Vorhangs kläglich gescheitert sind. Menschen lassen sich auf Dauer weder ein- noch aussperren. Der Drang nach Freiheit läßt sich nicht unterdrücken. Erstaunlich, dass dies dem Chef einer Partei, die das Adjekttiv „freiheitlich“ in ihrem Namen führt, nicht bewußt ist.

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